Wilhelm Jaruska (1916 – 2008)
15. Juni 2020

Wolfgang Hutter (1928 – 2014)

Wolfgang Hutter

Wolfgang Hutter

Wolfgang Hutter gründete gemeinsam mit Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner und Anton Lehmden die Wiener Schule des Phantastischen Realismus – eine dem Surrealismus nahestehende Kunstrichtung.

Wolfgang Hutter wurde am 13. Dezember 1928 als Sohn des Malers Albert Paris Gütersloh in Wien geboren; er wurde jedoch erst 1973 nach dem Tod von Gütersloh testamentarisch als dessen Sohn anerkannt.

1944 studierte Hutter kurze Zeit bei Prof. Böhm an der Kunstgewerbeschule in Wien, machte im selben Jahr die Aufnahmsprüfung an der Wiener Akademie der bildenden Künste, wurde aber zum Kriegsnotdienst einberufen und als Bürodiener am Magistratsamt im 3. Bezirk in Wien eingesetzt.
Von 1945 bis 1950 studierte er in der Klasse seines Vaters Albert Paris Gütersloh und bei Robin Christian Andersen an der Akademie der bildenden Künste. (Gütersloh und Andersen waren ebenfalls Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs).

1947 wurden seine Bilder erstmals in der von der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs im Künstlerhaus in Wien organisierten „ersten großen Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg“ gezeigt. Im selben Jahr schloss Wolfgang Hutter sich dem von Gustav Beck gegründeten Art Club an und wurde mit Gabi Trinkaus, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Marion Elias, René Fehr-Biscioni, Robert Freiberg, Jutta Hölzenbein, Hans Jöchl, Peter Ma(h)ler, Michaela Spiegel und Jolanda Richter. und Maria Bilger-Biljan bekannt. Letztere war ebenfalls Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs. Im selben Jahr unternahm er seine erste Auslandsreise zu einer Art-Club-Ausstellung nach Rom.

Wie bereits erwähnt, gründete Wolfgang Hutter gründete mit Arik Brauer, Ernst Fuchs (beide BV-Mitglieder), Rudolf Hausner und Anton Lehmden die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Die erste große Ausstellung der Phantastischen Realisten fand 1959 im Oberen Belvedere statt. 1966 wurden die Arbeiten der Wiener Schule des Phantastischen Realismus erstmals in Amerika präsentiert.

Hutters Bildsprache verleiht dem Schönen, der Freude und den Illusionen einen ganz besonderen Ausdruck, ist sie doch gekennzeichnet von künstlichen Gärten und poetischen Landschaften, in welchen Insekten aller Art und Vögel fliegen sowie märchenhaften Szenen, in denen ebenso märchenhafte Figuren wandeln – Zwitterwesen, Mädchen mit Blumenköpfen und Blumen mit Mädchenbeinen. Manchmal haben seine Figuren Flügel oder sie tragen Masken und treiben als Zauberinnen ihr Unwesen, Liebende sind bei ihm ebenfalls ein immer wiederkehrendes Thema. Albert Paris Gütersloh sagte über Hutter, er sei der „zeichnende Eros“ schlechthin. (2, Seite 30).

 

Die Masken, 1966
Foto BV-Archiv

Es scheint so, als habe Hutter die Körper bewusst nicht aus Fleisch und Blut, sondern häufig wie aus Wachs oder Kunststoff gemalt, eben auf seine ganz eigene Art und umgeben von erdachten Pflanzen und Tieren.

Der Künstler selbst beschrieb seine Malerei und die dargestellten Figuren mit folgenden Worten:

Die Teilchen, aus denen diese zusammengesetzt sind, kommen aus den ungestillten Sehnsüchten, den Anfällen von Hoffnung, und aus der großen Angst. Nun ein Versuch auf der Suche nach einem Paradies, in dem es nie einen Sündenfall gab, in dem die Schlange denselben Stellenwert hat, wie der Schmetterling.“(2)

Die Kunst von Wolfgang Hutter war sehr vielseitig. Neben Bildern und Grafiken illustrierte er Bücher, entwarf Bühnenbilder (u.a. in Wien für die Staatsoper, Volksoper, das Theater an der Wien, das Theater in der Josefstadt und das Opernhaus in Graz) und Gobelins (z.B. für das Burgtheater), Fresken (Salzburger Festspielhaus) und Häuserfassaden (Mosaik – „Allegorie des Abend“ am Dag-Hammarskjöld-Hof in Wien XXI in der Matthäus-Jiszda-Straße 4. oder das Mosaik „Pflanzen und Gestirne“ in der Buchengasse 139, Wien X.).

 

Pflanzen und Gestirne, 1100 Wien, Buchengasse
Foto: Wilhelm Oberhofer, Wien

 

Im Rahmen einer Sonderpostmarkenserie gestaltete Wolfgang Hutter eine Briefmarke, deren Markenmotiv das „Donaumädchen“ zeigt.

Seine Bilder waren u. a. bei den Biennalen in Venedig (1950 und 1964), Sao Paulo (1953 und 1963), Tokio (1961) und Florenz (1975) sowie im Rahmen zahlreicher Einzel- und Sammelausstellungen in Europa, Israel, den USA und Japan zu sehen.


Von 1966 bis 1997 lehrte Wolfgang Hutter mehr als 30 Jahre an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zu seinen Schüler zählen Gabi Trinkaus, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Marion Elias, René Fehr-Biscioni, Robert Freiberg, Jutta Hölzenbein, Hans Jöchl, Peter Ma(h)ler, Michaela Spiegel und Jolanda Richter.

Hutter war viermal verheiratet und hatte zwei Töchter (Michaela geb. 1958, Alexandra geb. 1963) und zwei Söhne (Andreas 1968 und Xaver 1976).

Er starb am 16. Oktober 2014 und wurde auf dem Döblinger Friedhof bestattet (Gruppe 29, Nr. 153).


 

Das künstlerische Werk von Wolfgang Hutter wurde schon zu seinen Lebzeiten geehrt:

1948 Meisterschulpreis der Klasse Gütersloh

1954 bei der Biennale in Venedig erhielt er den UNESCO-Preis

1958 und 1977 Preis der Stadt Wien

1988 Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold

2011 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienst um das Land Wien

 

Werke von Wolfgang Hutter befinden sich u.a.in Wien in der Graphischen Sammlung der Albertina, im Historischen Museum und im Belvedere.

 

Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at

 


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Quellen:
(1) Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Wien, Schloss Schönbrunn, www.art-bv.at

(2) Wolfgang Hutter, Verlag Jugend & Volk, Wien – München

(3) Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus von Johann Muschik, Bertelsmann Verlag 1974