Wolfgang Hutter (1928 – 2014)
5. November 2020

Josef Schmidt (1908 – 1951)

Josef Schmidt (1908 - 1951)

Josef Schmidt orientierte sich stilistisch am spätimpressionistisch-expressiver Malstil seines Lehrers Carl Fahringer. Stilistisch blieb der Künstler bis zu seinem frühen Tod der realistisch gegenständlichen Malerei, gepaart mit einer leichten Abstraktion, verhaftet.


Der österreichische Maler Dr. Josef Schmidt wurde am 16. März 1908 in Wien geboren. Er hatte einen älteren Bruder, den späteren Germanisten und Literarhistoriker Univ. Prof. Dr. Adalbert Schmidt (1906-1999).
Sein Vater, Adalbert Schmidt, war Finanzbeamter und später Ministerialrat im Wiener Finanzministerium, seine Mutter, Johanna Schmidt geb. Richter, stammte aus einer seit Generationen im Sudetenland beheimateten Familie mit Besitztümern in Prag und in Mittelböhmen.
Josef Schmidt ist in Wien aufgewachsen und zwar in einer Zeit, welche von Armut, Hunger und Krankheiten geprägt war, wovon auch seine Familie nicht verschont blieb. Er erkrankte als kleiner Bub an Kinderlähmung und die Folgen davon waren eine Verkürzung des rechten Beines, weshalb er zeitweise auf einen Stock als Gehhilfe angewiesen war. Diese körperliche Beeinträchtigung war später Grund dafür, dass Josef Schmidt keinen Kriegsdienst leisten musste.

Nach der Volksschule, wo er seine zeichnerische Begabung sogar in Schulheften und Büchern verewigte, kam Josef Schmidt auf ein Humanistisches Gymnasium. Auch dort fiel sein außergewöhnliches künstlerisches Talent sofort auf.

Von 1927 bis 1928 begann Josef Schmidt zunächst ein Philosophiestudium (Kunstgeschichte bei Prof. Strzygowski, Musikgeschichte bei Prof. Lach) an der Universität in Wien. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation in der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen überredeten ihn seine Eltern, vor einer künstlerischen Laufbahn noch etwas “Handfestes“ zu lernen. Deshalb studierte Josef Schmidt von 1928 bis 1932 Rechtswissenschaft.

 


 

Ab 1936 studierte Josef Schmidt an die Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Carl Fahringer.
Im Jahr 1938 wurde Josef Schmidt als Mitglied in die Malersektion der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs aufgenommen.

Carl Fahringer, mit dem Josef Schmidt nach Abschluss des Studiums zeitlebens freundschaftlich verbunden war und mit dem er beispielsweise eine Studienreise nach Holland unternahm, beeinflusste Schmidts Malstil nachhaltig. Fahringers spätimpressionistisch-expressiver Malstil ist auch in Schmidts Werken nachvollziehbar. Stilistisch blieb Josef Schmidt bis zu seinem frühen Tod der realistisch gegenständlichen Malerei, gepaart mit einer leichten Abstraktion, verhaftet. Sein stärkstes Ausdrucksmittel war die Farbe selbst, wobei der Grad einer sanften Abstraktion besonders im Verzicht auf Details lag. Dynamik erzeugte Schmidt durch das bewusste Setzen kurzer Pinselstriche, die er spontan und impulsiv auf den sonst eher flächigen Farbauftrag auf die Leinwand setzte und so seinen Bildern Bewegung verlieh.

Josef Schmidt, Beethovenhaus im Winter         ÖL auf LW, 43 cm x 63 cm

Das malerische Œuvre umfasst Landschaftsbilder zu allen Jahreszeiten, Alltagsszenen, Tierdarstellungen, Porträts und Städtebilder in Öl, Aquarell, Pastellkreide, Rötel und Kohle.
Seine Freunde, Verwandten und Bekannten porträtierte Schmidt häufig.

Schmidt Josef, Weinheber Fritz

Als geselliger Mensch hatte Josef Schmidt einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis zu dem etliche berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit gehörten wie beispielsweise der schon erwähnte Maler Carl Fahringer.

 


 

Josef Schmidt starb im Alter von 43 Jahren unerwartet am 19. Juli 1951 an den Folgen eines tragischen Unfalls im Zusammenhang mit seiner künstlerischen Tätigkeit. Schmidt sollte in Neunkirchen in Niederösterreich zum bevorstehenden Firmenjubiläum einer Fabrik ein Öl-Gemälde anfertigen. Als Thema waren die Fabrik und das Firmengelände gewünscht. Da dieses Motiv in künstlerischer Hinsicht uninteressant war, beabsichtigte Schmidt wenigstens die umliegende Landschaft mit einzubeziehen, wozu er diese von einem erhöhten Standpunkt aus betrachten wollte.
Der Direktor ließ von einem Arbeiter eine Leiter an ein Gebäude mit Flachdach anlehnen und versicherte dem Künstler, dass das Dach sein Gewicht aushalte. Josef Schmidt bestieg das vorgeschlagene Dach, doch dieses brach ein und Schmidt stürzte auf den darunter befindlichen harten Betonboden. Er wurde ins Krankenhaus nach Neunkirchen gebracht, wo er einige Tage später an den Folgen dieses tragischen Arbeitsunfalls verstarb.

 


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at


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Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Interview mit Hanna Scheriau, Nichte von Dr. Josef Schmidt, 2018