Die Kunstwerke des österreichischen Bildhauers und Malers Josef Troyer vereinen handwerkliche Präzision mit einer expressiven, naturverbundenen Formensprache. Er schuf vor allem religiöse Skulpturen, Kreuzwege, Krippen, Fresken und Holzschnitte. Charakteristisch ist die Verbindung von realistischer Anatomie mit Monumentalität, die besonders in seinen Reliefs und Skulpturen für Kirchen und Kapellen sichtbar wird.
Der österreichische Bildhauer und Maler Josef Troyer ist am 24. Juli 1909 in Wallhorn, Prägraten (in der Siedlung Wallhorn) in Osttirol geboren und am 03. September 1998 gestorben. Josef Troyer war mit Grete Helm verheiratet und hatte zwei Kinder.
Troyer wuchs in Wallhorn, umgeben von hohen Bergen auf dem elterlichen Hof, dem Nerggerhof, auf. Die Berge seiner Heimat waren zeitlebens eine Passion des Künstlers; nicht nur, dass er sich oft mit der heimatlichen Thematik und den Bergen in seinen Werken auseinandersetzte, letztere bestieg er auch häufig. Seine Verbundenheit zur heimischen Bergwelt zeigt sich darin, dass er beispielsweise mehr als 100-mal den Großvenediger und mehr als 50-mal den Großglockner bestieg.
Schon in der Volksschule fiel Troyers genaue Beobachtungsgabe durch seine Schnitzereien auf. Später besuchte er die Landesschnitzschule in St. Jakob in Defereggen beim bekannten Bildhauer Bruno Costa (1890-1966). Heute dauert eine Autofahrt von Prägraten nach St. Jakob im Defereggertal ca. eine Stunde, aber Josef Troyer musste damals 8 Stunden über die Bergkette des Iseltales nach St. Jakob gehen.
Im Alter von 18 Jahren erhielt er einen Auftrag, ein Kruzifix für das Verlagshaus Herold in Wien zu gestalten. Dieser Auftrag verschaffte ihm Aufmerksamkeit. Dank der Unterstützung des Rektors der Wiener Sängerknaben, Josef Schnitt, der viele Sommer in Hinterbichl verbracht hatte und der Troyers Talent erkannte, konnte dieser in Wien studieren. Er besuchte von 1929 bis 1933 die Kunstgewerbeschule in Wien und anschließend von 1934 bis 1938 die Akademie der bildenden Künste. Zu seinen Professoren zählten Anton Hanak, Albert Bechtold und Ferdinand Andri. Während seiner Studienzeit erhielt Troyer mehrere Stipendien und Preise, darunter auch den Meisterschulpreis, von dem ich in meinen Berichten über verstorbene Künstler/-innen der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs schon mehrmals berichtet habe. Den Abschluss an der Akademie der bildenden Künste machte er in Freskomalerei.
Es folgten Kriegsdienst und Gefangenschaft. In Wien wurden seine Wohnung und sein Atelier mit Skizzen, Modellen und fertigen Arbeiten im Krieg zerstört, sodass Troyer nach Prägraten zurückkehrte. Im Feuerwehrhaus konnte er sich einen Arbeitsraum einreichten, welcher jedoch nicht beheizbar war. In diese Zeit fallen das Krippenrelief der Dreifaltigkeitsgruppe von Schloss Bruck und die Kreuzigungsgruppe der Kapelle in Abfaltersbach.
Beim Wiederaufbau des im Krieg stark beschädigten Stephansdoms führte Josef Troyer mehrere Restaurierungsarbeiten durch, u.a. wurde die Ausstattung der Bischofsgruft nach Troyers Plänen hergestellt sowie die Wiederherstellung und Ergänzung des beim Dombrand 1945 schwer beschädigten gotischen Lettnerkreuzes, welches Schätzungen zufolge aus den Jahren 1460-1470 stammt und dessen Schöpfer unbekannt ist. Dass das Lettnerkreuz rekonstruiert werden konnte, ist dem Wiener Benediktiner P. Benedikt Pfundstein zu verdanken, der es aus den brennenden Trümmern herausholte. Der Corpus war verbrannt, doch der Kopf und die Arme blieben weitgehend unbeschädigt. Der Kopf weist bis heute Brandspuren auf. Seit dem 22.10.2009 hängt das kunsthistorische Juwel wieder freischwebend in der Vierung.
Im Bericht der Erzdiözese Wien vom 11.04.2020 „Vor 75 Jahren brannte mit dem Stephansdom das Herz von Wien“ heißt es:
„Das gotische Lettnerkreuz wurde zum Sinnbild der gewaltigsten Zerstörung in der Geschichte des Stephansdoms: Vom Triumphbogen hing es herab, nur der obere Teil des Längsbalkens und der Querbalken mit den angebrannten, herabhängenden Unterarmen des kopflosen Corpus waren noch vorhanden. Zufällig im Schutt gefunden wurde das hölzerne Haupt noch am 13. April vom Benediktiner P. Benedikt Pfundstein, der die noch züngelnden Flammen in einem Weihwasserbecken löschte.“ (5)
Josef Troyer schuf im Laufe der Jahre etliche Kunstgegenstände, welche mit religiösen Bräuchen und einem Gottesdienst verbunden werden, darunter mehrere großartige Krippen, wie beispielsweise jene in der Kirche St. Erhard in Mauer bei Wien. Für den Stephansdom in Wien schuf Troyer, indem er die Raumsituation in sein Werk einbezog, eine Krippe in Form eines dreiflügeligen Altars. Der Stephansdom bildet dabei den Hintergrund für das Geschehen in der Heiligen Nacht. In die Bilder brachte er Bezüge zur Gegenwart ein. Nach der Sanierung des Stephansdoms nach dem 2. Weltkrieg wurde der Krippenaltar bei der Domeröffnung am 19. Dezember 1948 erstmal den Gläubigen bei der Mitternachtsmette gezeigt. Seit dieser Zeit wird der Krippenaltar jedes Jahr zur Weihnachtszeit im Eingangsbereich des Stephansdoms aufgestellt. (3)
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es Josef Troyers Anliegen war, religiöse Inhalte zeitgemäß zu vermitteln. Elfriede Bernhauer berichtet, dass Josef Troyer folgendes über seine bildhauerischen Absichten sagte:
„Manchmal werde ich gefragt, welche Ziele ich mit meiner künstlerischen Tätigkeit verfolge. Ein Hauptantrieb dazu ist wohl die Freude am Werken und Gestalten in schönen, natürlichen Materialien wie Stein, Holz oder Bronze. E§s macht einfach unbändige Freude, wenn die Materie plötzlich lebendig wird, wenn Ausdruck und Spannung entstehen. In all diesen Materialien habe ich im Laufe der Jahre gearbeitet, kann aber nicht behaupten, eines davon bevorzugen zu wollen. Als geborener Tiroler habe ich, wie wohl alle aus unserer Gegend stammenden Bildhauer, mit Holzschnitzen begonnen.“ (2)
Für seine Arbeiten in Holz verwendete der Künstler ausgewähltes Holz, das meistens aus der Umgebung seines Wohnortes stammten. Er arbeitete, wie er selbst sagte, aber auch gerne mit Stein. Neben Sandstein wurde von ihm auch Serpentin aus dem Großvenediger-Gebiet behauen, welcher auch „Tauern-Grün“ genannt wird.
Bedeutende Arbeiten von Josef Troyer (die meisten öffentlich zugänglich) sind:

Auszeichnungen
Berufstitel Professor
Ehrenring des Künstlerhauses Wien
Ehrenbürger von Prägraten
Berthild Zierl
Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at
Quellen:
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