Die Skulpturen und Plastiken des Künstlers Ernst Hegenbarth, in denen die sichtbare Wirklichkeit möglichst genau und objektiv abgebildet wurde, bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Realismus und Expressionismus – eine naturalistische Basis vermittelt emotionale, tiefe innere Bedeutung. Seine Werke sind klar aufgebaut und ruhen in sich, ohne klassizistisch zu wirken.
Zu den bedeutendsten Arbeiten unseres verstorbenen Mitglieds Ernst Hegenbarth zählen unter anderem die figurale Ausschmückung der Budapester Oper, des Grazer Stadttheaters und des Wiener Konzerthauses, eine „Justitia“ im Schwurgerichtssaal Wels sowie der Bronze-Hochaltar der Margaretenkirche in Berndorf. Darüber hinaus schuf er mehrere
Denkmäler, Dekorationsskulpturen und Grabdenkmäler.

Wiener Konzerthaus, rechte Seite, Foto: Willi Oberhofer 2025
Als Beispiel einer Dekorationsskulptur kann jene an der Balustrade der Neuen Burg in Wien genannt werden. Es handelt sich dabei um eine Skulptur, die einen Markomannen darstellt. Diese Figur ist Teil des umfangreichen Dekorationsprogramms an der Fassade der Neuen Burg, welches die verschiedenen Völker und Stände der österreichisch-ungarischen Monarchie zeigt.
Eine beeindruckende Grabfigur schuf Ernst Hegenbarth im Jahr 1905 für das Grab von J. W. Müller auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 47 B, Reihe G 2, Nummer 2; die Figur eines trauernden jungen Mannes in übermenschlicher Größe ist beispielgeben für die künstlerische Grabskulptur in Wien um die Jahrhundertwende.
Auch in den Kleinplastiken von Ernst Hegenbarth (welche heute noch oft auf Auktionen gehandelt werden) zeigt sich sein großes bildhauerisches Können in der figürlichen Darstellung.

Stehende Frau mit Rosengirlande, Keramik, 110x43,5x48 cm Foto Wien Museum, Inventar-Nr. 182078
Ernst Hegenbarth wurde am 5. März 1867 in Oldrichov (Ullrichsthal) in Tschechien geboren und ist in Wien am 14. 6. 1944 gestorben. Sein Vater war Franz Xaver Hegenbarth und seine Mutter Franziska Hegenbarth.
Er besuchte die Glasfachschule in Kamenický Šenov (Steinschönau) und studierte anschließend von 1885 bis 1892 an der Wiener Kunstgewerbeschule Bildhauerei bei Otto König. Er war Mitarbeiter im Atelier des Bildhauers Theodor Friedl und führte zahlreiche Aufträge für das Wiener Architekturbüro Fellner und Helmer aus und erlangte dabei schon früh Bekanntheit als Künstler.
Ernst Hegenbarth war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs von 1909-1910 Obmann der Bildhauer-Vereinigung und von 1920 bis 1923 Präsident des Künstlerhauses in Wien. (3)
Er erhielt einige Preise und Auszeichnungen wie:
Ernst und Wilhelmine Hegenbarth wohnten in der Josef-Gall-Gasse, im 2. Bezirk in Wien. Sie führten eine liebevolle, harmonische Ehe, wie uns Herr Eberhardt Riegler, dessen Schwiegermutter, Leopoldine Stummer, Hausmädchen bei Familie Hegenbarth war, berichtete. Ihr Hausmädchen behandelten die Hegenbarths wie eine Tochter und da sie sehr arm war, finanzierten sie ihr später sogar ihre Hochzeit. (2)
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen Ernst Hegenbarth und seine Familie in finanzielle Not. Seine Frau Wilhelmine (genannt Mina) geborene Goldmark war Jüdin. Sie war die Tochter des Komponisten Carl Goldmark (1830-1915). Goldmark ist bekannt für Opern wie „Die Königin von Saba“, Ouvertüren wie „Sakuntala“, aber auch für etliche Violinkonzerte.
Ernst Hegenbarth wurde zur Scheidung gedrängt, was er jedoch empört ablehnte. (2)
1938 wurde der Künstler aus dem Wiener Künstlerhaus ausgeschlossen.
Im Jahr 1939 stellte Hegenbarth einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Reichskunstkammer. (1) Im geforderten Abstammungsnachweis versuchte er seine Frau, welche eine uneheliche Tochter von Carl Goldmark war, als Halbjüdin einzustufen zu lassen. Da aus mehreren Gründen die dafür erforderlichen Unterlagen nicht beigebracht werden konnten, erfüllte er die Voraussetzung für die Kammeraufnahme nicht.
Im Juli 1941 teilte der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste Hegenbarth mit, dass eine weitere Verzögerung nicht zu verantworten sei und man sich genötigt fühle, seine Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste abzulehnen. Damit war ihm als Künstler jede weitere berufliche und auch nebenberufliche Betätigung auf dem Gebiet der bildenden Künste untersagt.
Im November 1942 intervenierte der während der NS-Zeit amtierende Präsident der damals unter dem Namen “Wirtschaftsgenossenschaft bildender Künstler, registrierte Genossenschaft mbH” geführten Berufsvereinigung, Leopold Blauensteiner, in seiner Funktion als Landesleiter der Reichskammer der bildenden Künste für den Gau Wien an die Reichskammer der bildenden Künste in Berlin:
Der Bildhauer Hegenbarth, einst ein sehr bekannter Künstler und zeitweilig Präsident der Genossenschaft bildender Künstler Wiens, Künstlerhaus, ist gegenwärtig ein durch Krankheit und Verlust seines Einkommens vorzeitig gealterter Mann. Eine positive Erledigung seines Ansuchens hätte weniger den Zweck ihm die Möglichkeit einer vollwertigen künstlerischen Arbeit zu geben – dazu fehlen ihm die Kräfte – als vielmehr den, ihm in seiner niederdrückenden Situation eine Stütze zu geben. (1)
In diesem Zusammenhang findet sich bei Wladimir Aichelburg folgender Vermerk ohne Quellenangabe:
Am 28.1.1943 wurde Ernst Hegenbarth durch Bemühungen des Vorsitzenden R. H. Eisenmenger und des Kommerzialrates Rudolf Zyka wieder eingereiht. Wurde in seinen letzten Lebensjahren aus dem Repräsentationspauschale R. H. Eisenmengers finanziell unterstützt. (3)
Den Akten im Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs ist zu entnehmen, dass am 25. Jänner 1943 die Ablehnungsverfügung vom 17. Jänner 1941 aufgehoben und Hegenbarth mit Wirkung 1. Jänner 1943 in die Kammer aufgenommen wurde – wessen Intervention (vielleicht auch alle drei) dafür auch immer hilfreich war bzw. waren. Damit war der Künstler wieder zur Berufsausübung als Bildhauer berechtigt. (1)
Im darauffolgenden Jahr starb Ernst Hegenbarth nach langer Krankheit am 14. Juni 1944, verarmt in Wien und wurde am 21. Juni 1944 auf dem Zentralfriedhof, Gruppe 31 B, Reihe 1, Nr. 21 bestattet. Es ist eine von der Stadt Wien ehrenhalber gewidmete historische Grabstelle in welcher auch Wilhelmine Hegenbarth (1886 – 1945) begraben ist.
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Berthild Zierl
Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at
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Quellen:
(1) Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
(2) Mitteilung von Eberhardt Riegler, Rechtsvertreter der Fundatia Casa Ospetiei Sighisoara, Schwechat