Josef Schmidt (1908 – 1951)
1. Dezember 2020

Erich Kucher 1921 – 1984

Erich Kucher

Erich Kucher

1921 – 1984

Die Werbegrafik hat immer wieder Ikonen hervorgebracht, deren Namen in den verschiedensten literarischen Werken genannt werden. Nur wenigen ist aber bekannt, dass es in den Anfängen der Werbegrafik in den 1930er Jahren und nach dem 2. Weltkrieg noch etliche großartige Künstler/-innen dieses Genres gab, welche zu Lebzeiten sehr erfolgreich waren, heute aber im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft nicht mehr aufscheinen. Einer davon ist Erich Kucher. Obwohl der Künstler zu Lebzeiten vor allem für seine Webegrafiken für namhafte Wirtschaftsunternehmen, Fremdenverkehrsbetriebe, Städte und Gemeinden sehr bekannt war, ist er heute fast in Vergessenheit geraten. Mit diesem Beitrag wollen wir Erich Kucher wieder ins nationale Gedächtnis zurückrufen.

Der österreichische Maler und Grafiker Erich Kucher ist in Klagenfurt am 31.5.1921 geboren und ebendort am 12.3.1984 verstorben.
Seine Kindheit und frühen Jugendjahre verbrachte er in der ländlichen Umgebung der Stadt Ferlach. Seine erste zeichnerische Ausbildung erhielt er an der Staatsgewerbeschule in Klagenfurt. Danach arbeitete er als technischer Zeichner bei der Junkers AG in Dessau. 1940 schreibt er sich in die „Akademie für Zeichnen und Malen des Ernst Oskar Simonson-Castelli“ in Dresden ein, betreibt Studien unter Woldemar Winkler und Theodor Hahn und war Gasthörer in der „Folkwang Schule“ im Ruhrgebiet.

1943 wurden seine Vorbereitungen zur Aufnahme in eine Hochschule für bildende Kunst durch die Kriegsgeschehnisse und seine Einziehung zum Kriegsdienst beendet.
Als Zeichner und Porträtist im soldatischen Milieu überraschte Kucher als Schnellzeichner durch die Qualität seiner Arbeiten. In dieser Zeit legte er sich das Pseudonym „Eric“ zu, mit dem er auch in den Jahren nach 1945 als freier Karikaturist seine Werke signierte.


Nach dem 2. Weltkrieg gründete er im Jahr 1946 in Ferlach gemeinsam mit dem Schriftsteller Lorenz Mack die „Kleine Kunstgemeinde“, welche es sich zum Ziel machte, dem Fehlen von gehobener Kunstunterhaltung durch Theater-, Musik- und Literaturveranstaltungen entgegenzuwirken.

Zu dieser Zeit entwarf Erich Kucher in seinem Atelier und Grafikbüro in der Freibacherstraße in Ferlach Bühnenbilder, Plakate und Werbemittel, porträtierte Schauspieler, Autoren und Komponisten. Für das Magazin „Kärntner Illustrierte“ gestaltete er das optische Erscheinungsbild.  Die Kärntner Illustrierte erscheint in den Jahren 1945 bis 1947 als Unterhaltungsmagazin, das den Hunger nach Bildern eines vom Krieg erschöpften Lesepublikums zu stillen versuchte. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die erste Veröffentlichung der heute berühmten Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Erich Kucher illustrierte Bachmanns Erzählung „Die Fähre“ in der Kärntner Illustrierten. (3)

 

Illustration zum Frühwerk "Die Fähre" von Ingeborg Bachmann
Kärtner Illustrierte 1946

Erich Kucher war als Grafiker wie bereits erwähnt für viele namhafte Wirtschaftsunternehmen tätig, u.a. Fischl-Backwarenfabrik, Spannplatten-Fabrik Funder, Leitgebplatten-Fabrik, Bleiberger Bergwerksunion, Akkumulatorenfabrik Dr. Jungfer, Gösser Brauerei, Villacher Brauerei, Schleppe Brauerei, Neuner Schuhindustrie, Raunikar-Spirituosen, den KONSUM, EnnstalerAlpenSchafwolle, Sebastian Stroh und Pago Fruchtsäfte. Er entwickelte zahlreiche Signets, Schutzmarken und grafische Layouts für die Markenartikel.

GÖSSER AUSTRIAN BEER, ca.1960

BÄREN BATTERIE 1961

Der Anfang der 1960er Jahre immer stärker aufkommende Fremdenverkehr verschaffte Erich Kucher ein weiteres Aufgabengebiet.
Wichtige Auftraggeber im Bereich des Fremdenverkehrs waren große Hotels in Österreich, wie das „Alpenhotel Franz-Josef-Haus“ = Alpenhotel Kaiser-Franz-Josef-Haus in Heiligenblut, das Seehotel Werzer in Pörtschach, das Seehotel Hubertushof in Velden, das Hotel Alte Post in Bad Kleinkircheim, das Hotel Leeb auf der Turrach und das Hoyfiellshotel in Tyn in Norwegen.
Die Kucher-Werbungen für Lienz-Zettersfeld oder das Kaiser-Franz-Josef-Haus am Großglockner wurden zu frühen grafischen Ikonen der Tourismuswerbung und befinden sich heute in der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

Auch für die Stadt Klagenfurt und die Gemeinden Bad Kleinkirchheim, Kartitsch, Kals, Gastein, Pörtschach, Heiligenblut und Döllach, sowie verschiedene Kärntner Fremdenverkehrsämter und das norwegische Touristkonteret Fagernes sowie die norwegische Oppland-Travel-Association entstanden Werbegrafiken aus der Feder von Erich Kucher.

FRANZ JOSEF HAUS, 1964

LIENZ TIROL 1965

MALLNITZ KÄRNTEN – WINTER,  ca. 1959

Eine besondere Fertigkeit erlangte der Künstler nun auch in der künstlerischen Gestaltung von Panoramakarten – dem Google Earth der pre-digitalen Zeit. Kucher malte österreichweit Dutzende davon und wurde bald zu einem international gefragten Panoramen-Gestalter. Die Felbertauern AG, die Ämter der Landesregierungen von Salzburg, Kärnten und der Steiermark und sogar die Norwegische Zentrale für Fremdenverkehr (Landslaget for Reiselivet i Norge) zählten zu seinen Auftraggebern.

SALZBURG PANORAMA – 1968

NASSFELD PANORAMA, 1966

In diesem Zusammenhang erscheint es erwähnenswert, dass beispielsweise das „Alpenpanorama München-Venedig“ eine Millionenauflage erreichte und das „Oppland-Valdres-Panorama“ im Jahr 1994 zum Werbeträger für die Olympischen Winterspiele in Lillehammer wurde.

 

OPPLAND PANORAMA, 1973

Norwegen wurde zum beliebten Reiseziel von Erich Kucher. Ab 1971 hielt er sich jährlich mehrere Monate in Oppland auf. Die reizvolle Landschaft und nordische Atmosphäre hielt er in zahlreichen Studien und Gemälden fest, welche er u.a. auch in Ausstellungen in Norwegen präsentierte. In der norwegischen Zeitung „Lillehammer Tilskuer“ schrieb dazu E. Stenstad-Olsen:

„Erich Kuchers Werke sind mehr als nur visuelle Notierungen, sie sind Erlebnisse mit einer Aussage, in der man das ehrliche Engagement und die Begeisterung des Meisters spürt. Das Motiv wird zur Nebensache, das Erlebnis wird temperamentvoller Mittelpunkt jener Aussage, die diese Auseinandersetzung zum Kunstwerk werden lässt … Selten gelingt es einem Maler das Wesentliche, die Mentalität und somit die Seele des Landes, so zu interpretieren“ (4)

AM SLADALSVEIEN,  1975

VORFRÜHLING, 1974

Auch Werke in phantasievoller Befrachtung des Bildraums mit malerischen Geschichten zwischen Poesie, Traum und Wirklichkeit gehörten genauso zum Repertoire des vielseitigen Künstlers, wie Porträts.

ZERRSPIEGELUNG , 1970    Gouache auf Papier, 42 x 28 cm

SELBSTPORTRÄT, Öl auf Hartfaser


1970 baute Erich Kucher das „Alte Forsthaus“ in Stein im Jauntal um und präsentierte dort von da an jährlich seine Gemälde und graphischen Werke.

Zeitlebens als freischaffender Künstler tätig, artikulierte und engagierte er sich in bedeutenden Vereinigungen des Österreichischen Kulturlebens, u.a. in der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs (deren Präsident im Zentralverband der Vereinigung von 1976–1980 er war), in der VBK – Verwertungsgesellschaft Bildender Künstler, wo er 1977 Gründungsmitglied war, im Bund Österreichischer Gebrauchsgrafiker, im Stadtrichter zu Klagenfurt/Sozial-Kulturverein und in der Kleinen Kunstgemeinde.

Werke von Erich Kucher befinden sich in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen, u.a. der Stadt Klagenfurt, dem Land Kärnten, der Artothek/Belvedere, Wien, der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien und der Charles-Pankow-Collection, SF/USA.

Alle Fotos: Archiv Erich Kucher, Copyright Bildrecht, Wien


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at


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Quelle:

(1) Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Wien, Schloss Schönbrunn, www.art-bv.at

(2) Interview mit Erich Kucher jun.

(3) https://www.kulturchannel.at/fileadmin/user_upload/dei_faehre.pdf

(4) Zeitung Lillehammer Tilskuer, Artikel über Erich Kucher von E. Stenstad-Olsen