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Maria Biester-Lehner (1938 – 2019)

Maria Biester-Lehner

In den Zeichnungen von Maria Biester-Lehner konzentriert sich die Erfahrung eines ganzen Lebens einer großartigen Graphikerin.

Am 8. Februar 1938 im Burgenland geboren erlebte Maria Biester den 2. Weltkrieg und die Besatzungszeit in der russischen Besatzungszone mit. Das hinderte sie aber nicht daran, als starke, unabhängige Frau heranzuwachsen, weshalb sie sich schon früh dazu entschied für ihre künstlerische Ausbildung nach Wien zu gehen.

Sie besuchte die Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie und Textilzeichnen und schloss mit Diplom ab. An der Akademie der bildenden Künste in Wien erlernte sie als Gasthörerin die Kunst des Radierens und der Lithographie.


 

Maria Biester-Lehner arbeitete für verschiedene Seidenwebereien in Wien, Brüder Steiner, Alfred Fiala, Flemmich & Söhne, Schablonendrucktechnik Kurt Breza und Grainer-Gobelin.

In Wien lernte sie auch ihre große Liebe, Christian Biester, kennen, den sie am 25.02.1965 heiratete. Das Paar war sehr unterschiedlich – sie interessierte sich sehr für Kunst und Kultur, er war am Sport interessiert. Beide liebten das Reisen und so kam das Paar in 54 Ehejahren nach Deutschland, Italien, Griechenland, Spanien England, Tunesien, Ägypten, Indien und noch viele mehr. Jedes Mal brachte sie Zeichnungen und Skizzen von den Reisen mit.

Am Beginn der Ehe gab es eine ziemlich klassische Rollenverteilung. Während ihr Mann seiner Arbeit als Goldschmied nachging, gab Maria Biester-Lehner ihren Beruf als Textilzeichnerin auf, blieb zu Hause und kümmerte sich um den Haushalt und die beiden Kinder Christian (1965) und Katharina (1967).


Im Laufe der Zeit begann Maria Biester-Lehner von zu Hause aus für die Goldschmiedewerkstatt ihres Gatten zu arbeiten und widmete sich auch immer mehr ihrer großen Leidenschaft, dem Zeichnen und Malen. In einer Zeit, in der die Malerei gleichsam neu erfunden wurde, die Möglichkeiten des Mediums radikal ausgelotet und sich Stile rasch änderten, etablierte Maria Biester-Lehner ihren eigenen Stil, der wesentlich von sauber gesetzten Strichen und feinsten Linien getragen war.

Maria Biester-Lehner, Baumgesicht, Radierung koloriert, 50×50

Mit Feder, Pinsel und strenger Disziplin setzte die Künstlerin akribisch Strich für Strich aufs Papier und fing mit feinen Linien Bäume, Vögel, Fische und die ganze Natur ein und machte damit deren Schönheit, aber auch Verletzlichkeit und Vergänglichkeit sichtbar. Dabei jongliere sie auch häufig zwischen Realismus und Surrealismus sowie Traum und Wirklichkeit. Das Wirkliche implizierte bei Biester-Lehner auch immer das Unwirkliche, weil für sie das Unwirkliche nur im Wirklichen ersichtlich erschien.

Maria Biester-Lehner, Fantastische Welten

Später erweiterte die Ölmalerei ihr künstlerisches Spektrum. Aber auch hier blieb sie der Natur verbunden, ohne sich dabei in traditionelle Naturdarstellungen zu verfangen.

Maria Biester-Lehner bewunderte zwar immer die „großzügigen, freien Arbeiten“ anderer Kollegen und liebäugelte auch hin und wieder damit nicht zu detailliert und dafür freier und großzügiger zu arbeiten, kam aber immer wieder zum Schluss, dass sie so nicht sie selber wäre.

Erfolgreich präsentierte Maria Biester ihre Werke in rund 250 Ausstellungen im In- und Ausland. Bei einer Ausstellung in China in Shanghai wurden alle vier von ihr ausgestellten Werke gestohlen was sie jedoch nicht davon abhielt, sich weiterhin an Ausstellungen zu beteiligen.

Maria Biester war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs und in der Künstlergemeinschaft „Lukasgilde“.


Im Jahr 2014 wurde Maria Biester-Lehner schwer krank. Dennoch war sie weiterhin künstlerisch tätig und nahm noch an etlichen Ausstellungen teil.

Maria Biester-Lehner verstarb am 30. Juli 2019. Sie wurde im Familiengrab am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf begraben.


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at


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Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Interview mit dem Gatten Christian Biester, August 2019