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Ernst Grandegger (1924 – 1995)

Ernst Grandegger

Der Metallbildhauer Ernst Grandegger ist am 8.11.1924 in Wien geboren und am 26.2.1995 in Wien gestorben. Seine Eltern, Herrmann und Mathilde Grandegger, stammten aus dem Defereggental in Osttirol und hatten 7 Kinder Ernst, Erhard, Otto, Herrmann, Herbert, Gottfried und Margarete. Zwei verstarben schon im Kindesalter. Die Familie zog vor dem ersten Weltkrieg nach Wien, da der Vater (von Beruf Dolmetscher) in der Großstadt leichter Arbeit fand.


Gleich nach der Ausbildung zum Gürtler wurde Ernst Grandegger mit 17 Jahren zum Militäreinsatz in Russland eingezogen. Da er gut zeichnen konnte, wurde er zum Zeichnen von Plänen für Feldzüge herangezogen. So musste der junge Soldat, welcher ursprünglich Priester werden wollte, wenigstens nicht an der Front kämpfen.


Nach dem Krieg betrieb Ernst Grandegger eine Kunstschmiedewerkstatt in Wien in der Franzensgasse 19, im 5. Bezirk und schon bald heiratete er am 13. April 1947 Gabriela Lercher (geb. 12.12.1925) die er schon vor dem Krieg kennengelernt hatte.

Mit seiner Frau Gabriele, welche aus St. Jakob im Defreggental stammte, bekam er 5 Kinder: Georg, Ernst, Helmut, Gabriele und Ursula. Sein Sohn Georg machte später eine Lehre in der Grandegger-Werkstatt, doch nach der Lehre arbeitete dieser in einer Firma, welche Beleuchtungskörper herstellte. Erst wiederum dessen Sohn Georg Grandegger jun., geboren am 13.05.1972 trat, nachdem er ebenfalls in der Grandegger-Werkstatt durch Vermittlung des Großvaters profunde Kenntnisse traditioneller Metallbildner-, Gürtler- und Metalldrücktechniken erwarb, als er dort auch eine Gürtler Lehre absolvierte, in die Fußstapfen seines Großvaters und übernahm dann auch im Jahr 1995 die Firma.

Das Atelier Metallplastik des Georg Grandegger, in welchem man sich, um der Massenproduktion auszuweichen, auf Sonderanfertigungen – ganz nach den Vorstellungen der Kunden – spezialisiert hat, gibt es heute noch im 5. Bezirk Wien in der Hamburger Straße Nr. 5. Siehe auch www.grandegger.at.

Die Verbindung zum Göttlichen hat Bedeutung seit Menschengedenken und ebenso traditionsreich ist die Anfertigung der Schreine, Reliquien, Leuchter und Gefäße, die zum Gottesdienst und zu religiösen Handlungen gehören. Die Herstellung sakraler Objekte war auch ein fester Bestandteil in der Metallkunstwerkstatt von Ernst Grandegger. In der Grandegger-Werkstatt wurden neben Möbelbeschlägen und Beleuchtungskörpern bis zu 95 Prozent sakrale Gegenstände erzeugt – vom kleinen Kommunionslicht bis zu Taufbecken, Tabernakeln und Altarkreuzen – für welche der streng gläubige Künstler gerne all sein Können mit viel Hingabe aufwendete, da Sakralgegenstände doch seiner Ansicht nach jeden Kirchraum prägen. Mit dem warmen Glanz der Glockenbronze oder den vielen Facetten von Messing ausgestattet und in der Tradition des Kunsthandwerks gefertigt, gelangen ihm beeindruckende Kunstwerke, welche stets dem Anliegen, dem Raum und dem Anlass gerecht wurden.

Grandegger Ernst, Kelch mit Schale

Die Firma entwickelte sich gleich sehr gut, sodass die Werkstätte bald bis zu 15 Mitarbeiter beschäftigte.

Gemmenkreuz, Pfarre St. Hemma, 1130 Wien, Wattmanngasse 105-107


Ernst Grandegger war sehr diszipliniert und arbeitete fleißig und konsequent nach seinen Vorstellungen.

Er war stolz darauf, für Gott und die Kirche wunderbare, prächtige Werke in präziser Handarbeit erzeugen zu können. Natürlich verlief in der Werkstätte nicht immer alles konfliktfrei, da mein Großvater von jedem Mitarbeiter den gleichen disziplinierten Einsatz, den er selbst an den Tag legte, verlangte. Abweichungen von seinen Vorstellungen ließ er kaum zu und im Zweifelsfall galt sein Wort,

berichtet Georg Grandegger über seinen Großvater.

Der Großvater sei ein Mann gewesen, der selber sehr bescheiden gelebt und immer altes Gewand getragen habe und als sehr religiöser Mensch habe er auch zeitlebens immer hilfreich gespendet, wenn es irgendwo Not gab und auch etliche sakrale Gegenstände habe er der Kirche kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das Werk von Ernst Grandegger wurde schon zu Lebzeiten am 7. September 1989 durch einen päpstlichen Orden für seine sakralen Kunstwerke und Anfang der 1990er Jahre durch das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien geehrt.

Ernst Grandegger ist am 26.2.1995 gestorben und wurde am Zentralfriedhof in Wien begraben.


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at



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Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Interview mit dem Enkel Georg Grandegger, www.metalverarbeitung-wien.at und der Tochter Ursula Leb.