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Margarete Bistron-Lausch (1906 bis 1995)

Margarete Bistron-Lausch

Margarete Bistro-Lausch ist am 25.7.1906 in Wien geboren und am 2.8.1995 in Wien (Ober St Veit) gestorben.
Die Österreichische Bildhauerin erhielt ihre künstlerische Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, wo sie später auch Lehrbeauftragte war. Ihre Lehrer waren u.a. Prof. Eugen Steinhof und Prof. Michael Powolny.

Margarete Bistron-Lausch war als freischaffende Künstlerin tätigt und hat in Fachkreisen und beim Publikum große Anerkennung gefunden.

Die Künstlerin war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreich, im Künstlerverband Österreichischer Bildhauer in Wien und in der Gesellschaft bildender Künstler in Wien (Künstlerhaus).


Zum Œuvre von Margarete Bistron-Lausch gehören Wandbilder, Mosaike, Reliefs, Spielplastiken in Parkanlagen, Kunstwerke an Wiener Gemeindebauten und Amtsgebäuden.
Für die Manufaktur Augarten stammen einige wunderbare Modelle aus ihrer Hand. Die Künstlerin war auch als Malerin sehr erfolgreich; u.a. malte Margarete Bistron-Lauch für die Kammer für Arbeiter und Angestellte für einen Speisesaal vier große Bilder.


Zunächst hatte sich die Künstlerin jedoch vor allem mit Tierplastiken einen Namen gemacht. Viele dieser Plastiken können im öffentlichen Raum in Wien heute noch bewundert werden.

Im Zuge der kommunalen Wohnbauoffensiven ab 1945 wurden neue Gemeindebauten mit so genannter Kunst am Bau verschönert. Margarete Bistron-Lausch fertigte einige dieser Kunstwerke an.
Im 21. Bezirk in Wien befinden sich von Margarete Bistron-Lausch vier Reliefs mit den Tierdarstellungen von Hasen, Fischen, Falken und Füchsen aus dem Jahr 1958 in der Rußbergstraße 24 als Hauszeichen.
In der Wohnanlage „Siedlung Jedlesee“, welche ihren Namen zur Wahrung der früher selbstständigen Ortschaft Jedlesee erhielt, befinden sich in der Jedleseerstraße 79-95 die Keramik-Reliefs „Käuzchen“ und „Fischreiher“.
Eine ganz liebe Tierplastik, „Das hässliche kleine Entlein“, steht im 13. Wiener Gemeindebezirk in der Stoesslgasse 8a, (Hügelpark). Margarte Bistron-Lausch fertigte diese Plastik anlässlich des 150. Geburtstags des dänischen Dichters Hans Christian Andersen im Jahr 1955 für den städtischen Andersen-Kindergarten an.
Ein weiteres Entenmotiv von Bistron-Lausch befindet sich im 16. Bezirk in Wien beim Wohnblock in der Arltgasse 10-14/Herbststraße 87-91/Thalhaimergasse 9-15 bei einem mit Mosaiken bestückten Brunnen als freistehende Entenfiguren aus Kunststein.
In der Kegelgasse 44 im 3. Bezirk in Wien befindet sich oberhalb des Eingangs ein im Jahr 1953 zur Erinnerung an die Erdberger Gänseweide errichtetes Tier-Relief mit dem Titel „Gänseweide“ von ihr. Gänseweide hieß seit dem Ende des 14. Jahrhunderts eine Gegend auf dem Gries zwischen der späteren Franzensbrücke und der Sophienbrücke, weil hier stets große Gänseherden weideten.

Anlässlich ihres 60. Geburtstags berichtete das Wiener Künstlerhaus in der Presseaussendung vom 20.7.1966:

„Die Künstlerin hat viele Wiener Häuser mit Reliefs, Mosaike und Keramiken geschmückt. Alle ihre plastischen Arbeiten sind Zeugnisse ihrer stielverpflichteten Meisterschaft. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch große Gestaltungskraft und sichere Komposition aus und sind von tiefem künstlerischem Ernst erfüllt.“


Bei Menschendarstellungen blieb Margarete Bistron-Lausch der traditionellen Körperplastik treu. In der Laxenburger Straße 203-217 im 10. Wiener Gemeindebezirk kann man von ihr über dem Eingang von Stiege 2 das Natursteinrelief „Strickerin“ sehen. Abgebildet ist das Brustbild einer Frau, mit über die ausgebreiteten Arme abzuwickelnder Wolle. Links neben ihren Armen befindet sich ein Wollknäul.
1969 fertigte Margarete Bistron Lausch die Bronzeplastik „Musizierende Kinder“ an. Die Plastik zeigt zwei nackte Kinder, ein Mädchen und ein Knabe; beide sitzen sich gegenüber und spielen Flöte. Ihr Gesichtsausdruck ist entspannt und dennoch scheinen die beiden Flötenspieler mit entsprechendem Ernst zu musizieren.



Die ersten gegenstandslosen Werke in der Bildhauerei entstanden um 1920. Bei dieser modernen Ausdrucksweise ging es den Künstlerinnen und Künstlern (und geht es auch heute noch) um die Darstellung von Innenwelten, die facettenreicher sind als die visuell wahrnehmbare Außenwelt.
Auch Margarete Bistron-Lausch veränderte im Laufe ihres künstlerischen Schaffens ihren Stil in diese Richtung. Am Mexikoplatz 1 im 2. Bezirk in Wien steht auf dem Gelände der in den Jahren 1960-1963 errichteten Wohnanlage eine von ihr gestaltete Brunnenanlage mit abstrakter Bronzeplastik.
Im Areal der in den Jahren 1964-1966 errichteten Wohnanlage in der Brünnerstraße 108-110 im 21. Bezirk in Wien findet man von Bistron-Lausch eine dekorative Brunnenanlage mit einer Bronzeplastik mit dem Titel „Vegetative Form“.
Bei den beiden Brunnenplastiken verarbeitete Bistron-Lausch Phänomene jenseits des Greifbaren und Dinglichen. Betrachtet man nun die in den 1960er Jahren entstandenen Figuren- und Brunnenplastiken von Margarete Bistron-Lausch stellt man unweigerlich fest, dass die Künstlerin sich einerseits weitgehend aus dem Figürlichen emanzipiert hatte und andererseits durchaus auch im selben Zeitraum gegenständliche Werke schuf. Ein Konflikt „gegenständlich-abstrakt“ scheint es für Bistron-Lausch nicht gegeben zu haben.

 




Berthild Zierl

Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.

www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Die Stadt Wien als Mäzen, herausgegeben vom Stadtbauamt Wien in der Buchreihe „Der Aufbau“, Heft 21, September 1955
Pressedienst des Wiener Künstlerhauses Nr. 22 vom 20.7.1966