Carl Fahringer (1874 – 1952)
23. Februar 2025

Korinek Renate (1944 – 2022)

Korinek Renate

Renate Korinek liebte Glas als Material zum Gestalten von plastischen Glasobjekten jenseits des Gebrauchszweckes wegen seiner ambivalente Verbindung – hart wie Stahl und doch irgendwie immateriell.


Künstlerischer Werdegang

1944 in Salzburg geboren, studierte sie in den 1980er Jahren an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst bei Prof. Joham-Höllwarth und bei Prof. Matteo Thun-Hohenstein. Ihre Anfänge in Glastechnik erlangte sie bei einem florentinischen Meister für Bleiverglasung.

Mit heißem (ofengeformtem) Glas arbeitete sie erstmals 1984 bei den Midsummer-Glassmakers in Cambridge, UK.

In den USA gelang es ihr dann, ihre Technik zu perfektionieren, sie besuchte 1986 die Pilchuck Summer School in Seattle, studierte ab 1986 am Rochester Institute of Technology in Rochester, wo sie 1989 zum Bachelor of Fine Art diplomierte.

An der Universität für Angewandte Kunst in Wien diplomierte sie 1994 auch zur Magistra der Künste.

Renate Korinek war eine Weltbürgerin und lebte in Österreich sowie zeitweise in Australien, Kanada, Japan, England, der Schweiz, Holland und Belgien.

Neben ihrer Tätigkeit als Kunsttherapeutin in der Christian Doppler Klinik in Salzburg baute sie sich ein Studio in Niederösterreich auf.

Die Bildhauerin hat in zahlreichen Galerien und Museen in mehreren Ländern ausgestellt u. a. im Elagin Museum in St. Petersburg, Notojima Museum in Japan, Gerhard Marcks Haus in Bremen.


Zum Werk

Durch die zurückhaltende Farbigkeit – viele Arbeiten sind auch ohne Farbe gestaltet – und die Durchsichtigkeit des Materials wirken die Arbeiten von Korinek leicht und luftig. Aber die kompakten, zum Teil großen Formen sind sehr schwer. Das verwendete Material wird durch Renate Koriseks einzigartige Formensprache zum Träger von Bedeutungsinhalten wie: Dauerhaftigkeit, Hochwertigkeit und Kostbarkeit, aber auch Zerbrechlichkeit. Letzteres wird durch Draht oder Eisenteile – welche die Skulpturen teilweise umschließen – scheinbar gefestigt dargestellt. Es sind Hinweise auf Verschnürungen und Einengungen, wenn nicht sogar Verletzungen von außen, sobald Stacheldraht verwendet wurde.


Korinek Renate, Vereinigt – blau-violett, 23x77x23 cm

Einzigartig sind bei Korineks Glasobjekten auch die Bruchstellen, welche durch das Abtrennen der Glasobjekte von der Glasbläserpfeife entstanden. Durch einen gezielten Schlag mit einem Holzklotz auf die Glasbläserpfeife trennte die Künstlerin das fertige Glasobjekt von der Glasbläserpfeife. Die dadurch entstandenen Bruchstellen wurden anschließend nur soweit von scharfen Kanten durch Schleifen entfernt, dass keine Verletzungsgefahr mehr bestand. Auf ein vorsichtiges Glätten der Kanten oder sorgfältiges Schleifen in eine bestimmte Form verzichtete sie zugunsten der natürlich entstandenen, häufig einer Narbe ähnelnden Schnittkante. Diese Vorgangsweise erinnert – von Renate Korinek gewollt angewendet – an einen Geburtsvorgang, der mit der Durchtrennung der Nabelschnur endet.


Renate Korinek war nicht nur eine starke Künstlerpersönlichkeit, sondern auch eine starke Frau, die sich in der Arbeit in den Glashütten durchsetzen musste. Bei unseren Gesprächen bei Ausstellungen und einer Einladung bei ihr zu Hause erzählte sie mir einiges über ihren künstlerischen Weg, aber auch über die Schwierigkeiten, welche die anstrengende Arbeit des Glasblasens mit sich bringt. Renate Korinek hat diese Arbeit nie delegiert und ihre Kunstwerke stets selbst geblasen. Das erforderte nicht nur eine kräftige Lunge, sondern auch viele Vorbereitungen und Konzentration. Ihr Haus war voll von Kunst mit vielen fertigen Objekten, aber auch mit Bruchstücken, aus denen sie Neues entwickeln wollte.

In einigen Galerien sieht man noch heute immer wieder vor allem die typischen verschnürten Schneckenformen der Künstlerin, die noch auf einem Podest Platz haben. Ihre Kreuzigungsgruppen und Roboter dagegen sind aufwendige Installationen und wirken durch die Kombination mit Eisen kampflustig und beinahe furchteinflößend. Sollen sie uns vor martialischen Angriffen schützen?


Mag. Renate Polzer
Sektionsleiterin Sektion Bildhauerei
Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs