Ludwig Heinrich Jungnickel
31. März 2017
Fritz Martinz
31. März 2017

Gustinus Ambrosi

Gustinus Ambrosi

Gustinus Ambrosi

(1893 – 1975)

Der heute bei vielen fast ganz in Vergessenheit geratene Bildhauer und Dichter Gustinus Ambrosi galt zu seinen Lebzeiten als einer der bedeutendsten Bildhauer und Porträtisten Österreichs und wurde mit Michelangelo und Rodin verglichen.
Ambrosi besaß Ateliers in Rom, Paris, Köln und Wien. Das Atelier in Wien bekam Ambrosi als Staatsatelier auf Lebenszeit von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1913 zugewiesen, als er gerade einmal 20 Jahre alt war.


In seinem umfangreichen Werk von mehr als 2000 Skulpturen in Stein und Bronze, Denkmälern, Brunnen- und Grabmalskulpturen nimmt die Porträtplastik eine zentrale Stellung ein.

Bekannte Persönlichkeiten wurden von Ambrosi in Stein gehauen oder in Bronze gegossen, wie beispielsweise Papst Pius XI., Papst Pius XII., Papst Johannes XXIII., den Physiker und Philosoph Ludwig Bolzmann, die Dichter Stefan Zweig und John Knittel, die Komponisten Richard Strauß, Richard Wagner, Franz Schubert
und die Staatsmänner Leopold-Figl, K. Renner, Theodor Körner, Adolf Schärf, Engelbert Dollfuß und Julius Raab.


Gustinus Ambrosi kam als Sohn eines K. u. K. Hauptmanns 1893 in Eisenstadt zur Welt. Sein Vater war Komponist und Chorleiter. Der kleine Gustinus war ebenfalls sehr musikalisch und spielte schon als Sechsjähriger Geige in Quartetten. Ja sogar Pablo de Sarate wollte sich um die Ausbildung des musikalischen Wunderkinds kümmern. (Stern, 1954).

1900 erkrankte er an einer Gehirnhautentzündung und verlor das Gehör. Deshalb besuchte er später in Prag eine Schule für Taubstumme und wurde Lehrling im Bildhauer- und Stuckateurunternehmen Jakob Kozourek in Prag.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1908 übersiedelte die Familie nach Graz.

Ambrosi konnte seine Lehre bei der Firma Suppan, Haushofer & Nikisch fortsetzten und nebenher auch die Meisterklasse für Modelleure der k. u. k. Staatsgewerbeschule in Graz besuchen. Der Bildhauer Georg Winkler entdeckte die besondere Begabung speziell fürs Porträtieren bei Ambrosi und förderte ihn.
Mit 15 Jahren sah Ambrosi einen Mann von einem Baugerüst stürzen und hielt diese Szene in einem Werk mit dem Titel „Der Mann mit dem gebrochenen Genick“ fest – es war sein erstes Meisterwerk, wofür er im Jahr 1909, Ambrosi war damals 16 Jahre alt, bereits die erste öffentliche Anerkennung erhielt und in die Genossenschaft der bildenden Künstler der Steiermark aufgenommen wurde.
1912 erhielt er den Staatspreis für Plastik der österreichisch-ungarischen Monarchie verliehen.
1913 studierte Ambrosi als außerordentlicher Hörer an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei den Professoren Josef Müllner und Edmund Hellmer und bekam privaten Unterricht bei Prof. Kaspar von Zumbusch.


Mit 20 Jahren hatte der junge Künstler schon etliche Auslandsaustellungen u.a. in Rom, Paris, Antwerpen, Amsterdam und Budapest hinter sich.
1918 heiratete der Künstler Anni Murmayer, doch die Ehe hielt nicht lange und wurde bereits 1922 wieder geschieden. Noch im selben Jahr heiratete Ambrosi ein zweites Mal, aber auch die Ehe mit Maria Louise Janik aus Lemberg endete 1925.



1925 präsentierte Gustinus Ambrosi als Kommissär für Österreich bei der 3. Biennale in Rom Künstler wie Alfons Walde, Gustav Klimt, Egon Schiele, Anton Faistauer, Franz Barwig und Alfred Kubin.

Da sich Gustinus Ambrosi nur schriftlich unterhalten konnte, war der schriftliche Austausch für ihn ganz wesentlich. In den Unterlagen des Archivs der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs befinden sich daher auch zahlreiche Schreiben Ambrosis an den damaligen Präsidenten Prof. Stemolak, in welchen er u.a. auch immer wieder auf die prekäre finanzielle Situation der Künstler in Österreich aufmerksam machte; er lieferte in der Tat auch wichtige Vorschläge zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Künstler.
Ambrosi, der auch schriftstellerisch tätig war, war mit vielen Schriftstellern befreundet, wie beispielsweise mit Felix Braun, Stefan Zweig, Anton Wildgans, Franz Karl Ginzkey, Alfons Petzold, Franz Theodor Csokor oder Arthur Fischer-Colbrie. Viele von Ihnen wurden von ihm auch porträtiert.

Im Jahr 1924 fertigte Ambrosi im Auftrag des Österreichischen Außenministeriums eine Mussolini-Büste an, für welche er den Ehrentitel „Commendatore“ verliehen bekam.

Am 14. Februar 1928 heiratete Ambrosi zum dritten Mal und diese Ehe mit Berta Mayer hielt bis zu seinem Tod.

1938 bekam er wegen seiner Nähe zum Dollfuß-Regime Schwierigkeiten mit dem NS-Regime, obwohl Adolf Hitler den Stil seiner Arbeiten schätzte. Große Aufträge blieben aus. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sein Atelier und mehr als 600 seiner darin aufbewahrten Werke durch einen Bombentreffer zerstört. Mit unglaublicher Kraft rettete er den Großteil der zerstörten Werke aus den Trümmern, restaurierte sie und rettete sie damit in eine neue Zeit hinüber.
Nach dem zweiten Weltkrieg porträtierte Ambrosi die neuen Politiker Renner, Raab und Schärf. In den 1950er Jahren waren seine Werke jedoch nicht mehr so gefragt – der Zeitgeist hatte sich geändert.

1963 klagte er den Kunstkritiker Alfred Schmeller, weil er ihn „einen Bildhauer mittlerer Güte“ genannte hatte. Die Sache warf viel Staub auf und dann wurde Ambrosi auch noch ein großer Auftrag für ein Denkmal entzogen; Ambrosi zog sich verbittert nach Stallhofen in der Steiermark zurück, wo er seinen Alterssitz zu bauen begann. Das Haus dient heute als Museum und Ausstellungsraum seiner Skulpturen.


Im Winter 1974/75 erkrankte Gustinus Ambrosi an einer Lungenentzündung. Durch die Medikamente verlor der taube Künstler nun auch noch den Geschmacks- und Geruchssinn und er wurde immer schwächer.
Am 30. Juni 1975 nahm er sich aus dem Giftschrank seines Ateliers ein Fläschchen Kupfervitriol, trank einen Viertelliter davon und starb am nächsten Tag.



Ambrosis umfangreiches Werk besteht aus über 2000 Werke in Ton, Gips, Bronze, Marmor, Granit, Blei, Silber, Holz, Aluminium, Eisen und Stahl – von kleinen Medaillen bis zu überlebensgroßen Standbildern.
Mit allegorischen, biblischen und mythischen Themen rang er dem verwendeten Material immer etwas Dramatisches ab.
Ca. 700 seiner Skulpturen befinden sich in öffentlichen Sammlungen, u.a. Büsten von Schubert im Geburtshaus 9, Nußdorfer Straße 54 und im 9. Bezirk in der Marktgasse 21-23; Kienzl im Grazer Opernhaus; Renner in der Kammer für Arbeiter und Angestellte 4, Prinz-Eugen-Straße 20-22; Schärf im Kurpark Warmbad Villach; Helmer in Wiener Neustadt
Das Seitzdenkmal im 21. Bezirk in der Jedleseer Straße 66-94 befindet sich vor dem Karl-Seitz-Hof.



Daneben hielt er, der wie bereits erwähnt, wegen seiner Gehörlosigkeit auf das Schreiben angewiesen war, vieles auch in lyrischen Werken fest u.a. „Die Sonette an Gott“, „Die Sonette vom Grabe einer Liebe“, Die Sonette an Michelangelo“, „Die Sonette an Savonarola“, „Die Sonette an Beethoven“, „Das Buch der Einschau“, „Einer Toten, Buch der Erinnerungen“, „Die kleinen Lieder“.



Gustinus Ambrosi liegt in einem Ehrengrab der Stadt Graz auf dem St. Leonhardfriedhof begraben. Im Ambrosi-Museum in Stallhofen sind neben vielen Werken des Künstlers auch eine Porträtsammlungen und ein Teil der ehemaligen Original-Einrichtung zu sehen.
Ambrosi war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, des Österreichischen Künstlerbundes und des Künstlerhauses.

Sein Werk wurde schon zu Lebzeiten vielfach geehrt.
1912 erhielt er den Staatspreis für Plastik und 1949 den Preis der Stadt Wien für Bildhauerei, 1958 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse, 1963 die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold; der Künstler war Ehrenbürger von Graz und Eisenstadt.
Im 22. Bezirk in Wien ist die Ambrosigasse nach dem Künstler benannt.


Berthild Zierl
Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.

www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn
Der Bildhauer Gustinus Ambrosi von Fritz Krapfen, Verlag Max Hevesi/Wien/Leipzig
Artikel „Da setzt ich meinen Meißel an“ aus der Zeitschrift Stern, 1954
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Gustinus_Ambrosi