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Ernst Schrom (1902 – 1969)

Ernst Schrom (1902 – 1969)

 Ernst Schrom

Die Aquarell- Tempera und Ölgemälde, sowie Holzschnitte, Buchillustrationen, Briefmarkenserien, Gobelins, Werbegrafik, Sgrafitti und Mosaike des österreichischen Künstlers Ernst Schrom beziehen ihre Spannung aus der Synthese zweier Elemente, dem spontan erfassten Naturschnitt und einer bewusst kalkulierten Komposition.


Ernst Schrom ist am 14. Oktober 1902 in Wien geboren. Sein Vater, Richard Kajetan Schrom (1872 – 1951) arbeitete in der Funktion eines Abteilungsleiters bei der Firma Siemens-Schuckert. Seine Mutter, Henriette Angela Stadler (1874 – 1927) war Klavierlehrerin.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums im 2. Bezirk in Wien studierte Schrom an der Akademie der Bildenden Künste von 1920 bis 1925 bei Rudolf Jettmar (1869 – 1939) und Rudolf von Larisch (1856 – 1934).


Im Oktober 1925 begann Ernst Schrom seine Lehrtätigkeit am Privatgymnasium in Berndorf in Niederösterreich und ab 1929 in Wien. Die Lehrtätigkeit forderte fast seine gesamte Aufmerksamkeit, weshalb er nur 1927 in Chicago und 1928 in der Sezession in Wien seine Werke präsentierte.

1934 heiratet er Anna Schrom.

Gegen Ende der 1930er Jahre gab Ernst Schrom die zeitraubende Unterrichtstätigkeit auf, verstärkte seine künstlerische Tätigkeit und nahm an einer Ausstellung im Wiener Künstlerhaus und an einer Schrifttums-Ausstellung mit Schriftblättern, Holzschnitten und Bucheinband-Entwürfen in Berlin teil.

Schrom Ernst, Aquarell                                     zVfg. Stift Klostrneuburg


Der Ausbruch des 2. Weltkriegs stürzte Schrom in eine tiefe Sinnkrise, infolge derer er auch seine Kunst neu überdenkt. Im Juni 1941 wurde Schrom dann als Kriegsmaler in Luxemburg, Trier, Hainburg an der Donau und Wiener Neustadt eingesetzt. Er erlebte einen schweren Bombenangriff auf Wiener Neustadt mit, welcher devastierende Auswirkungen auf seine Psyche zur Folge hatte und zur Entlassung aus dem Militärdienst führte.


In den Nachkriegsjahren beschäftigte sich Ernst Schrom zuerst vorwiegend mit Grafik und sicherte den Lebensunterhalt seiner Familie mit Buchillustrationen, Gobelins und Briefmarkengestaltung – welche mehrfach ausgezeichnet wurden – ab.

Anlässlich des zur „Ersten großen Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg“ (siehe auch BV-Informationen 3/2017) öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb ging Ernst Schrom siegreich hervor; er entwarf alle zehn Marken. Die Stiche führten dann andere Künstler aus, darunter Heribert T. Schimek und Hubert Woyty-Wimmer.

Schrom schuf, beginnend mit den Serien „Erste Große Österreichische Kunstausstellung“ (1947) und „80 Jahre Künstlerhaus“ (1948) eine größere Zahl Österreichischer Briefmarken, entwarf aber auch 63 Marken für Indonesien (1948).

Erste große Kunstausstellung Künstlerhaus, 1947
Foto: BV-Archiv

Beim Exlibris-Wettbewerb der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft gewann er 1949 den ersten Preis.

In den Nachkriegsjahren und bis Anfang der 1970er Jahre entstanden die meisten Arbeiten von Ernst Schrom. Zahlreich bereiste europäische Länder waren immer auch eine Inspirationsquelle für den Künstler. Viele Zeichnungen, plein-air gemalte Aquarelle, Städte- und Landschaftsbilder in Öl und Tempera sowie Grafiken stammen aus jener Zeit. Ernst Schrom schuf auch Reliefs, Sgraffiti und Mosaike an städtischen Wohnhausbauten in Wien wie beispielsweise 1952 „Arbeiterin“ 21. Bezirk, Siedlung Jedlesee oder 1955-56 „Darstellungen von der Römerzeit bis zum 19. Jahrhundert“, 19. Bezirk, Döblinger Hauptstraße 87, Nußwaldgasse 26-30.

Ernst Schrom, Wien XXI, Jedleseer Straße Nr. 79-95 Stg 17, Hausfrau, 1955
Foto: Wilhelm Oberhofer, Wien


Stilistisch einzuordnen sind Ernst Schroms Werke in ein Spannungsfeld zwischen Neuer Sachlichkeit und Expressionismus.

Inhaltlich sind seine Werke neben Stadt- und Landveduten geprägt von der Beschäftigung mit den Alltagssorgen seiner Mitmenschen, Arbeitslosigkeit, Armut und den Auswirkungen der fortschreitenden Technisierung eines ausufernden Maschinenkults. Seine kritische Haltung zur Technisierung und Maschinen brachte er in vielen Werken zum Ausdruck und immer wieder setzte er ihnen das Konzept der reinen, stillen Landschaft entgegen.

In einer Rede vom 19.7.1955 sagte Ernst Schrom:

Was sich beherrschend breit machte, erschien mir immer verdächtig, die wahren Werte hingegen fand ich im Verborgenen. Dröhnende Maschinen werden die Menschen kaum wesentlich weiterbringen, wohl aber die neue Hinwendung zur stillen Welt der Seele. Zur Wiederherstellung des gewaltsam gestörten Gleichgewichts ein wenig beitragen zu können, halte ich für eine heilige Aufgabe.“ (2), Seite 14.


Ernst Schrom war Mitglied im Künstlerhaus Wien und in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs.

Sein Werk wurde schon zu Lebzeiten geehrt:

1954 Goldene Ehrenmedaille des Künstlerhauses

1968 Goldene Medaille des Landesverbands der NÖ Kunstvereine


Ernst Schrom starb am 8.5.1969 infolge eines Verkehrsunfalls.

Namhafte Sammler und Museen kauften Gemälde des Künstlers an, u.a. in Wien die Albertina, das Wien Museum, das Leopold Museum, sowie das Niederösterreichische Landesmuseum, das Volkskundeinstitut der Stadt Salzburg und das Museum Schloss Bruck bei Lienz.

Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at


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Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Ernst Schrom, Monographie zur Ausstellung Ernst Schrom, sein künstlerisches Gesamtwerk, Galerie Szaal, Wien, 2000
Rudolf Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus. Eine Chronik 1861-1951. Wien: Gesellschaft Bildender Künstler Wiens 1951