Hans Figura war zeitlebens wiederholt als Künstler, Wanderer und Naturliebhaber in den Alpenregionen Europas unterwegs. Die Natur selbst bot ihm eine unerschöpfliche Quelle an Motiven, die er in seine Malerei überführte.
Das bevorzugte Genre des verstorbenen Mitglieds der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, des Grafikers und Malers Hans Figura, war die Landschaftsmalerei, aber er ist auch für seine Stadtansichten und Eindrücke aus fernen Ländern bekannt. Für seine Landschafts-Farbradierungen in einer realistischen Auffassung verzichtete er auf alles Romantisierende und Beschauliche. Jede Form wurde jedoch prägnant und in bewundernswerter Klarheit und Schärfe herausgearbeitet.
Hans Figura war einer von wenigen Künstlern, welcher unter anderem seine Radierungen auch auf Seide anfertigte. Es ist dies eine komplizierte Technik für Druckgrafiken, welche die Feinheit der Seide mit der Präzision der Radierung kombiniert. Die Struktur der Seide ergibt dabei ein sehr feines Druckbild, das mit Papier nicht vergleichbar ist. In „Rast der Alpen“ erfahren wir, dass Figura als Gestalter von Farbradierungen auf Seide großes Ansehen genoss. „Nach vielen Experimenten und Forschungen, das richtige Seidenmaterial zu finden, welches die Kupferdruckfarbe aufnimmt und nicht verrinnt, gelang dem Künstler der Durchbruch.“ (4, Seite 7)
Hans Figura ist am 22.01.1898 in Nagy Kikinda (damals Ungarn heute Serbien) geboren. Er war mit Thea Figura geb. Hoffmann verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder.
Da sein Vater Bahnbeamter war, lebte er als Kind in verschiedenen kleinen Dörfern an der Eisenbahnlinie Wien – Ungarn. Die Volksschule besuchte er in Bruck an der Leitha. Dann zog die Familie 1908 nach Wien, wo er ein humanistisches Gymnasium besuchte. Von 1916 bis 1918 war Figura Soldat an der russischen und italienischen Front.
Nach eigenen Angaben studierte Hans Figura nach dem Ende des 1. Weltkriegs ab 1918 sieben Semester Medizin an der Wiener Universität und machte das erste Staatsexamen, bevor er zur Malerei wechselte und unter anderem bei Massmann (vermutlich Carl Massmann) studierte. (1)
Ab 1922 widmete sich der Künstler – gelegentlich unterbrochen von handwerklichen Arbeiten (wie dem Anfertigen von Kunstdrucken, Buchillustrationen und Lederarbeiten sowie Batiken) nur mehr der Malerei und dem Radieren. 1923 und 1924 reiste Figura zu Studienzwecken nach Deutschland und Italien. Die Bergwelt in Österreich, der Schweiz und Bayern waren neben Städteansichten häufige Motive.
Von 1939 bis 1945 musste Hans Figura durch die kriegsbedingte Zerstörung seines Ateliers und seiner Wohnung seine künstlerische Tätigkeit als Radierer unterbrechen. In dieser Zeit widmete er sich der Ölmalerei. Die während dieser Zeit entstandenen Gemälde dienten ihm später als Vorlagen für Radierungen.
„Die neuerliche Kriegsverwendung des Reserveoffiziers im 2. Weltkrieg beschränkte durch Jahre sein Schaffen. 1944 führte ihn sein Lebensweg nach Villach, wo er als Kommandant der Flak-Artillerie den Bombenkrieg und die schweren Zerstörungen in der Stadt erlebte, erfahren wir im Katalog H. Figura, welcher anlässlich der Sonderausstellung „Hans Figura 1898-1978“ im Museum der Stadt Villach im Jahr 1988 herausgegeben wurde. (3)
Nach dem Krieg normalisierten sich seine Verhältnisse wieder und bereits 1946 veröffentlichte er eine in Villach nach seinen Gemälden mit Villacher Motiven entstandene Farbdruckserie. Mit dem Wiederaufleben seiner internationalen Verbindungen wurden Radierungen wieder zum Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Neben Wien wurde auch Villach zum ständigen Wohnsitz.
Als Radierer arbeitete Hans Figura auch für verschiedenste Auftraggeber und Künstlerkollegen. Erwähnenswert erscheint mir Hans Figuras Zusammenarbeit mit dem weltreisenden Kunsthändler und Autor Frederick Hans Halpern. Für Halpern fertigte Figura nach dessen Skizzen und Fotografien über 100 Arbeiten in seiner eigenen Handschrift an, welche Halpern auf seinen Reisen durch sämtliche Kontinente der Erde verkaufte.

Figura Hans, Radierung nach Foto von F.H. Halpern
Foto Zierl Berthild, 2025
Zum besseren Verständnis dieser interessanten Symbiose schreibt Mag. Sabine H. Fürnkranz in ihrem Bericht „Kunstschaffen oder Spionage? Die Radierungen des Frederick Hans Halpern“ (5), dass Halpern manchmal gewisse Dinge vorgab, für Teile der Druckplatte aber Figura als ausführendem Künstler freie Hand ließ.
Auf Seite 20 dieses Berichtes heißt es:
Das Ergebnis sind Radierungen von höchster Güte – nach Fotos entstanden, und doch nicht photographisch – die eine ganz eigene Handschrift tragen. Leicht und unbefangen geben sie uns heute den Einblick in eine Welt, die gar nicht so sorgenfrei und sonnig war. So entstanden sie unmittelbar in der Zeit von Konflikten, welche leider zum größten Teil bis heute andauern. Und es war sicher nicht einfach als Jude Auftraggeber einer Druckerei in Wien zu sein – über alle Ereignisse des 20. Jahrhunderts hinweg. Dennoch wirken diese Grafiken immer positiv und friedlich, so als hätte man einen Blick auf das „verlorene Paradies“ erhascht, eine Vorstellung, die Frederick Hans Halpern sein Leben lang begleitete. (5)

Mauritius, Port Levis
Foto: Zierl Berthild, 2025
117 dieser einzigartigen Radierungen wurden in der Druckerwerkstätte von unserem Mitglied Bernhard Kratzig in der Graf-Starhemberggasse 3 in 1040 Wien gefunden, welcher Figuras Druckerei im Jahr 1997 übernahm und bis 2008 führte.
Die damalige Druckauflage scheint 25 Stück zuzüglich einiger Epreuve d’Artiste-Blätter gewesen zu sein. Von vielen Druckplatten wurde eine Serie in schwarz-weiß und eine farbige erzeugt. Je nach Bedarf wurden die Radierungen an Halpern verschickt oder von diesem persönlich abgeholt. Manchmal fungierte auch Halperns Bruder, der Kunsthändler Ernst Halpern, als Kurier.
Bemerkenswert ist aus heutiger Sicht auch, dass Frederick Halpren über Jahrzehnte ein Zeitzeuge war – sowohl gesellschaftlicher als auch politischer Veränderungen. Er erforschte beispielsweise in den 1930er Jahren unvoreingenommen (da es dort noch kaum westliche Zivilisation gab) die Sitten und Gebräuche afrikanischer Volksstämme inklusive der diese umgebenden Natur, war 1947 Zeitzeuge bei der Gründung von Pakistan und 1949 der chinesischen Revolution. Seine persönlichen Eindrücke hielt er neben den Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten seiner Reiseziele in seinen Reisetagebüchern, veröffentlichten Büchern und schlussendlich als Radierungen durch Hans Figura fest.
Im Bericht von Mag. Fürnkranz liest man auf Seite 11:
Halpern schildert in seinem Reisetagebuch nicht nur seine fulminanten ökonomischen und gesellschaftlichen Erfolge, farbenfroh gibt er Begegnungen mit Land und Leuten wieder und hautnah lässt er seine Leser an diversen Abenteuern teilhaben. (5)
Zur Beziehung zwischen Figura und Halpern berichtet unser Mitglied Bernhard Kratzig, der mit der Übernahme der Druckerei auch ca. 50 Radierungen auf verstählten Kupferplatten übernahm und einige Jahre Kontakt zur Tochter von Hans Figura bis zu deren Tod hatte, dass Figura und Halpern freundschaftlich verbunden waren und sich immer wieder in Wien oder Villach getroffen hätten. Wenn persönliche Kontakte nicht möglich waren, erfolgten Auftragswünsche, Zwischendrucke und Änderungswünsche mittels Brief- und Postkartenversand.
All dies kann heute Historikerinnen und Historikern bei ihren Recherchen große Dienste erweisen.
Hans Figura ist am 17.02.1978 in Wien gestorben und am Waldfriedhof in Villach beigesetzt.
Berthild Zierl
Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at
Quellen:
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