Franz Traunfellner (1913 bis 1986)
25. Mai 2018

Thomas Stemberger (1908 – 1992)

Thomas Stemberger

Thomas Stemberger war ein zeitgenössischer österreichischer Bildhauer. Holz und Stein waren ihm beide gleich liebe Werkstoffe. Immer versucht er dem Material gerecht zu werden um das Verhältnis von Körper und Raum und nicht zuletzt auch den Gegensatz zwischen Flüchtigkeit und Beständigkeit auszuloten und aufzuheben.

Der Künstler war Mitglied der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, der Gemeinschaft bildender Künstler in Wien und in der Lukasgilde Wien.

Thomas Stemberger,
Mutter mit Kindern
Foto Karl Novak, Wien


Stemberger Thomas ist am 11.11.1908 als Sohn einer angesehenen Hutmacherfamilie, welche sich „K&K-Hoflieferant“ nennen durfte, geboren.
Die Familie selbst stammte aus dem Defereggental in Osttirol, wo auch Thomas Stemberger seine Kindheit verbrachte und lässt sich bis ins 14. Jahrhundert als Bergbauernfamilie zurückverfolgen. Nach der Mittelschulzeit erlernte er zunächst das Hutmachergewerbe im väterlichen Betrieb.

Einen schweren Schicksalsschlag erlebte er mit 21 Jahren, als ihm wegen einer Blutvergiftung ein Bein amputiert werden musste.

Als infolge des Untergangs der österreichischen Monarchie auch die väterlichen Betriebe zusammen brachen arbeitete Thomas Stemberger in einschlägigen fremden Betrieben bis er im Alter von dreißig Jahren seine Neigung zu künstlerischer Tätigkeit entdeckte und sich autodidaktisch der Bildhauerei zuwandte. Er war es gewohnt sich ohne fremde Hilfe im Leben zu Recht zu finden und so gelang es ihm auch, sich das Handwerk der Bildhauerei selber anzueignen. Dabei fand er zu einem höchst eigenständigen Stil. Das Abbild bzw. der Ausdruck ist unverkennbar, doch die Oberflächenstrukturen zeigen die Spuren des verwendeten Werkzeuges und verleihen dem Kunstwerk eine starke haptische Kraft und Lebendigkeit.
Nach dem Krieg besuchte er Abendkurse in Aktzeichnen bei Prof. Herbert Boeckl an der Akademie der bildenden Künste in Wien und verfeinerte seinen figuralen Stil.


Jede Zeit bzw. jede künstlerische Strömung macht sich ihr Bild von den Künstlern und ihren Werken und oft wachsen die Künstler in dieses Bild hinein oder versuche es zu erfüllen. In Thomas Stembergers Werken findet man weder übertriebene Emotionen noch kubistischen Abwandlungen oder konstruktivistische Signets seiner Zeit. Er blieb immer seinen eigenen Vorstellungen treu und modellierte seine Figuren mit zeitgemäßer Vereinfachung und sensibler Genauigkeit. Stemberger arbeitet ganz unmittelbar im Dialog mit dem Material. Als Künstler machte er sich zu eigen, das bearbeitete Material als Individuum zu begreifen und in einem anhaltenden Prozess der Zwiesprache zu finalen Form zu führen. Viele Bauplastiken, Brunnenfiguren, Porträts und Reliefs legen daher heute noch Zeugnis von seinem Schaffen ab, wie beispielsweise in der Wohnanlage in der Klosterneuburgerstraße 53-55 im 20. Bezirk in Wien die Plastik „Der alte Spielmann“.

Thomas Stemberger, Der alte Spielmann
Foto: Wilhelm Oberhofer, Wien


Im Jahr 1968 reiste er nach Peru und besuchte dort die seit 1859 bestehenden „Tiroler-Siedlungen“ Oxapampa und Pozuzo im tropischen Berg-Regenwaldgebiet am Fluss Pozuzo was so viel wie „Salzbach“ bedeutet. Mit seinen grünen Hügeln, seinen Kuhweiden und den Holzhäusern mit Spitzdächern und Balkonen erinnert die kleinen Gemeinden heute noch ein wenig an ein Tiroler Dorf und die Nachfahren der Einwanderer pflegen alte Traditionen mit Tanzgruppen und Blasmusik.

Thomas Stemberger lebte ein Jahr in Peru und verarbeitete viele seiner dort gewonnenen Eindrücke zu zeitgenössischen Plastiken und Skulpturen.

Seine Plastik „Peruanische Impressionen“ wurde 1970/71 vom damaligen Bundesministerium für Unterricht und Kunst angekauft.

Nach seinem Südamerika-Aufenthalt arbeitete Stemberger wieder in Wien und zog danach nach Schönau an der Triesting, wo er sich ein Atelier einrichtete, das häufig ein Ort der Zusammenkunft diskussionsfreudiger Besucher wurde.
Später siedelte er wieder nach Wien um und blieb dort bis zu seinem Tod am 21.01.1992.

Thomas Stemberger
Atelier des Künstlers
Foto Karl Novak, Wien


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at



Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
www.
bmukk.gv.at/medienpool/18590/kunstbericht1970_71