Franz Hagenauer (1906 – 1986)
23. September 2017

Sergius Pauser (1896-1970)

Sergius Pauser

Sergius Pauser ist am 28. Dezember 1896 in Wien geboren. Sein Vater war Zahnarzt und seine Mutter Hausfrau. Sie starb, als er drei Jahre alt war. Sein Vater heiratete ein zweites Mal und die Familie zog im Jahr 1903 nach Waidhofen an der Ybbs.

Um das Jahr 1913 wurde Sergius Pauser psychisch schwer krank. Auf einer im Jahr 1914 unternommenen Reise nach Rom, welche ihm verhalf, seine depressive Phase zu überwinden, malte Pauser seine ersten Aquarelle.


Im Ersten Weltkrieg leistete Sergius Pauser nach der Matura von 1915 bis 1918 Kriegsdienst und kam als Einjährig-Freiwilliger zum Train, einer wenig gefährdeten Nachschub-Truppe. Dennoch kam er später an die russische Front. 1917, nach dem Rückzug durch die Karpaten, kam er schwer tuberkulosekrank in ein Lazarett nach Südtirol.


Von 1919-1924 studierte Pauser unter Carl J. Becker-Gundahl, Ludwig Herterich, Max Dörner und Karl Caspar an der Münchner Akademie, wobei er besonders die expressionistische Farbauffassung von Prof. Caspar schätzte. Jahre später vernichtete Sergius Pauser leider viele seiner damals entstandenen Werke, sodass aus dieser Zeit nicht viele Arbeiten erhalten blieben.


Nach seiner Heirat 1924 mit Anna Maria Schrey (von der er sich 1951 wieder scheiden ließ) lebte Sergius Pauser zurückgezogen auf dem Land in Waidhofen, malte hauptsächlich Stillleben und Porträts und begann seinen expressionistischen Stil zur Neuen Sachlichkeit hin zu verändern.


1926 übersiedelte Pauser nach Wien und studierte an der Akademie der bildenden Künste bei Karl Sterrer.
Als Sergius Pauser ein Jahr später Mitglied der Wiener Sezession wurde, nahm er fortan regelmäßig mit zahlreichen Werken an Ausstellungen der Sezession teil. Zur selben Zeit hatte er bereits großen Erfolg als Porträtmaler. Er übersiedelte in das ehemalige Atelier von Albert Paris Gütersloh im 2. Bezirk in Wien. Da er nun in der Nähe des Praters wohnte, wurden „Praterszenerien“ bald zu einem wichtigen Bildthema für ihn.
Zu diesen Arbeiten sagte Sergius Pauser:

Wenn ich den Wurstelprater häufig besuche, ihn gar liebe, viele Bilder von ihm gemalt habe und noch malen möchte, so ist es wegen des gleichnishaften aller dieser vielen, seltsamen und starken Eindrücke, die ich dort immer wieder empfangen habe und die ein lächelndes, entzücktes Traurigsein auslösen.“

Dieses „entzückte Traurigsein“ findet sich beispielsweise in Pausers Werk „Wurstelprater“ aus dem Jahr 1931 beeindruckend wieder. Das Ölbild ist in düsteren Farben gehalten, am nicht gerade sauberen Boden liegen Papierfetzen herum, aber im Hintergrund vermittelt das Leuchten des Himmels genauso Heiterkeit wie die jubelnden Figuren auf den Dächern der Praterbuden.

Der Maler Oswald Oberhuber sagte später in „Sergius Pauser – Der Realismus und die Wirklichkeit“ (abrufbar unter www.sergius-pauser.at/texte.php/oswald-oberhuber) treffend über jene Phase von Sergius Pauser:

Der Wiener Prater, Vorstadthäuser, das ist mehr als nur ein Hinweis auf Gegenwärtiges und Gegenständliches. Es ist eine Poesie auf das Alltägliche, die Sprache des Malers wird eingeschränkt, um nur das Wesentliche auszusagen.“


Das Atelier im 2. Bezirk bot nicht nur genügend Platz zum Arbeiten, sondern auch für Ausstellungen, welche er zusammen mit den befreundeten Künstlern Franz von Zülow, Josef Dobrowsky und Ernst Huber ausrichtete. In der Presse erfolgte damals vermehrt eine positive Berichterstattung.

In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich der Künstler stilistisch von der Neuen Sachlichkeit zur sogenannten „Österreichischen Malerei der Zwischenkriegszeit“; er vertrat Österreich in den Jahren 1934 und 1936 auf der Biennale in Venedig und unternahm Reisen nach Italien, Frankreich und in die Schweiz.


1939 erfuhr Pauser von Adolf Hitlers Zornausbruch wegen der dort von ihm und Kollegen ausgestellten zeitgenössischen Werke bei der „Großen deutschen Kunstaustellung im Haus der Kunst in München. Um einem Malverbot zu entkommen malte er nun für einige Zeit nur noch in der altmeisterlichen Maltechnik, die er davor, ebenso wie nach dem Krieg, nur auf Wunsch bei Porträts angewendet hatte.


Im Jahr 1942 lehnte Sergius Pauser eine Berufung an die Kunstakademie von Karlsruhe ab, übernahm aber 1943 die Leitung der Meisterschule für Bildnismalerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er wurde zum außerordentlichen Professor ernannt.
Im Herbst 1944 wurde er mit fünftausend sogenannten „politisch Unzuverlässigen“ in ein Lager in Bad Radkersburg gebracht, welches er erst 1945 krankheitsbedingt wieder verlassen durfte.


Anfang Juni 1945 wurde Sergius Pauser mit der Führung der Rektoratsgeschäfte an der Wiener Akademie der bildenden Künste betraut (wo er bis 1966 unterrichtete) und im Jahr 1947 zum Ordentlichen Professor ernannt.


Der modernen Malerei stand Sergius Pauser positiv gegenüber. Dazu sagte er selber in einem Interview, welches er dem Wiener Kunstkritiker und Schriftsteller Johann Muschik im Dezember 1959 für die Zeitschrift „Tagebuch“ gab von bisher unbekannten neuen Möglichkeiten, welche die Maler der älteren Generation oft an sich selber zweifeln ließen. Dies sei die eine Seite aber:

Auf der anderen Seite glauben wir uns noch immer dazu verpflichtet, das Gewachsene, von alters her Gewordene zu bewahren, das, was die Öffentlichkeit noch immer von der Malerei fordert, zu erfüllen; der Baum und die Landschaft und die Erscheinung des Menschen, die schon so oft und so gut gemalt wurden, sie fesseln immer noch, lassen einen nicht los, es ist, als träten sie immer wieder neu vor einen hin…“

(siehe: Erwin Mitsch, Ausstellungskatalog der Albertina, Wien, 1980)

Seinen Schülern ließ er große Freiräume im Umgang mit neuen Ausdruckmitteln. Nicht zuletzt deshalb wurden einige seiner Schüler später unter dem Gruppennamen „Phantastische Realisten“ berühmt.


Sergius Pauser erhielt nun auch wieder zahlreiche Porträtaufträge, u.a. malte er den damaligen  Bundespräsidenten Dr. Karl Renner und Dr. Theodor Körner, den Schauspieler Leopold Rudolf und die Tänzerin Grete Wiesenthal.


1955 heiratet Pauser ein zweites Mal, die 34 Jahre jüngere Publizistik- und Schauspielstudentin Angela Müller. 1959 wurde sein Sohn Wolfgang geboren.


Erwähnenswert ist auch noch die Affäre um das sogenannte „Staatsvertragsbild“. Sergius Pauser erhielt den Auftrag, ein offizielles Bild von den Feierlichkeiten im Schloss Belvedere anlässlich der Unterfertigung des Staatsvertrages im Mai 1955 herzustellen. Eine von Pauser vorgelegte Öl-Skizze gefiel jedoch dem damaligen Bundeskanzler Julius Raab nicht, worauf der Auftrag kurzerhand an Robert Fuchs erteilt wurde.

Diese Geschichte löste durch die Verbreitung in der Presse großen Wirbel aus; die Kunstfachwelt stand auf der Seite Sergius Pausers.

Das Bild hängt derzeit in der Präsidialkanzlei der Wiener Hofburg neben dem von Robert Fuchs.


Sergius Pauser erhielt viele Preise und Ehrungen

1929    den Georg Schicht-Preises

1932    den Österreichischen Staatspreis

1935    Preis des Carnegie-Institute in Pittsburgh, USA und die Große Goldene Ehrenmedaille der Stadt Budapest

1942    den Baldur-von-Schirach-Preis

1955    den Preis der Stadt Wien für bildende Kunst und 1965 den Großen Österreichischen Staatspreis.


Sergius Pauser starb am 16. März 1970 in Klosterneuburg. Er wurde in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nr. 8) beigesetzt.

Werke von Sergius Pauser sind im Besitz der Albertina, der Österreichischen Galerie Belvedere, des Wien-Museums, des Lentos Museums und des Leopold Museums. Im Ausland sind Pausers Werke u.a. in der Städtischen Galerie Nürnberg und in der Ungarischen Nationalgalerie vertreten.


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.

www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Werkfotos und Korrespondenz mit Dr. Wolfgang Pauser, Wien, www.pauser.cc
Website: www.sergius-pauser.at
Sergius Pauser, Eine Monographie mit einem Werkverzeichnis und Beiträgen von Albert Paris Gütersloh und Walter Koschatzky, von Rupert Feuchtmüller, Edition Tusch, Buch und Kunstverlag GmbH Wien 1977.
Ausstellungskatalog der Albertina, Wien, 1980, Erwin Mitsch
http://www.austria.gv.at/service/presfeature/pauser.htm, Dr. Isabella Ackerl, Bundespressedienst des Bundeskanzleramtes