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Otto Rudolf Schatz

Otto Rudolf Schatz

Prof. Otto Rudolf Schatz

(1900 bis 1961)

 

Der österreichische Grafiker und Maler Otto Rudolf Schatz ist am 18. Jänner 1900 in Wien als 2. Sohn eines Postbeamten geboren.

Sein Œuvre umfasst zahlreiche Holzschnitte, Aquarelle, Ölbilder, Wandgemälde, Mosaike und Arbeiten in Sgraffito-Technik. Stilistisch sind seine frühen Werke dem Expressionismus zuzuordnen. Später wandte er sich der Neuen Sachlichkeit zu, wobei Schatz auch in späteren Werken manchmal auf den spätexpressionistischen Stil seiner frühen Schaffensperiode zurückgriff. Häufige Themen seiner Werke sind das Elend, die Einsamkeit und die Kriminalität in der Großstadt, welche er in anklagender Weise festhielt, aber auch Stadtansichten und die Erotik.


Seine künstlerische Ausbildung erhielt Schatz von 1915 bis 1918 an der Wiener Kunstgewerbeschule u. a. bei den Professoren Anton von Kenner und Oskar Strnad.


Nach dem Militärdienst 1918 arbeitete Otto Rudolf Schatz in verschiedenen Berufen – als Gärtner, Zimmermaler, Entwurfs- und Werkzeichner in einer Portalfabrik – bis er schließlich freischaffender Künstler wurde.
Neben dem Holzschnitt, welcher für Schatz ein dominierendes künstlerisches Ausdrucksmittel war, entwickelte er am Beginn seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler eine ihm ganz eigene „Schwarz-Weiß-Technik“, indem er Druckerschwärze mit Öl verdünnte und dann mit kurz geschnittenen Pinseln zum Malen verwendete.

1920 präsentierte der Kunsthändler Max Hevesi in der Eröffnungsausstellung seiner Galerie erstmals Arbeiten von Otto Rudolf Schatz und 1922 entstanden in Zusammenarbeit mit dem Kunstkritiker Arthur Roessler erste Buchprojekte, u. a. zu „Der Ackermann aus Böhmen“ von Johannes von Saaz und „Die Stimmung der Gotik“ von Arthur Roessler.
1923 erschien das Mappenwerk „Otto Rudolf Schatz – 12 Holzschnitte und er bekam einen Vertrag vom Galeristen Otto Kallir-Nirenstein, der in der von ihm herausgegebenen „Johannes-Presse“ ein Mappenwerk mit 40 Holzschnitten, (Auflage 20 Stück) herausbrachte. Im selben Jahr stellte Schatz zum ersten Mal mit dem Hagenbund aus, dem er 1928 dann beitrat.

An dieser Stelle möchte ich nun eine Begebenheit, über welche Wilfried Daim in „Otto Rudolf Schatz“ berichtet, wieder geben, da sie den manchmal recht eigenwilligen Charakter von Schatz humorvoll näher erläutert.

1923 gab ihm Kallir Geld. Schatz sollte nach Italien fahren, um dort zu malen. Mit Bildern sollte er dann seine Reise bezahlen. Schatz fuhr mit ein bis zwei Mädchen nach Venedig, setzte sich in einem der besten Hotels fest und gab das ganze Geld in ein paar Tagen aus. Dann fuhr er zurück, die letzten 80 km schwarz, und malte in Baden bei Wien italienische Impressionen.“

Daim berichtet weiter, dass Schatz zur Täuschung durch einen Freund von Italien aus Postkarten versenden ließ. Kallir sei die Wahrheit aber dennoch nicht verborgen geblieben.
Des weiteren kann man nachlesen, dass Schatz seine Einkünfte meistens sofort verbraucht habe und ständig mit dem Existenzminimum leben musste. (Wilfried Daim in „Otto Rudolf Schatz“, Edition Roetzer Eisenstadt, 1978, ISBN 3-85374-O41-3)



Im Jahr 1925 erhielt Otto Rudolf Schatz den Großen Österreichischen Staatspreis. Im selben Jahr kam in Kontakt mit der österreichischen Arbeiterbewegung und gestaltete die Bücher des sozialdemokratischen Kulturfunktionärs Josef Luitpold Stern„Der entfesselte Prometheus“ und „Der entwurzelte Baum“.
1926 entstanden als erste Arbeit für die Büchergilde Gutenberg Holzschnitte für das Märchen „Im Satansbruch“ von Ernst Preczang, dem Mitbegründer der Büchergilde Gutenberg, einem Unternehmen der deutschen Buchdrucker, deren Tätigkeit sich auch auf Österreich und den deutschsprachigen Raum der Schweiz erstreckte.
1927 folgten Illustrationen zu „Die Rückkehr des Prometheus und „Die neue Stadt“, beide mit Texten von Josef Luitpold. Letztere waren der Höhepunkt des politischen Engagements von Schatz, aber eher unbedeutend für sein Gesamtwerk vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen.

Erwähnenswert sind – besonders wegen der großen Anzahl – auch die erotischen Werke von Otto Rudolf Schatz. Er stellte erotische Szenen in verschiedenen Techniken, in großer Anzahl, teilweise in Serien her. Sofern Schatz mit Erotik gleichzeitig auch Sozialkritik ausübte oder Erotisches mit Dämonie verband sind seine Werke sehr gut, aber insgesamt gesehen sind die erotischen Werke in recht unterschiedlicher Qualität hergestellt.

Ab 1929 arbeitete Otto Rudolf Schatz u.a. für den Verlag„Der Strom“. In der „Roman-Rundschau“ illustrierte er u. a. Texte von Stefan Zweig (Phantastische Nacht), Herbert George Wells (Der Unsichtbare) und Jack London (Vagabunden).


Otto Rudolf Schatz war zweimal verheiratet. Seine zweite Frau war vermögend und Dank ihrer Unterstützung konnte Schatz Reisen durch Europa und 1936 sogar nach New York unternehmen. Die auf den Reisen gesammelten Eindrücke und vor allem die imposante amerikanische Architektur der Großstadt hielt der Künstler in zahlreichen Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern fest. 1937 reiste Otto Rudolf Schatz nach Paris zur Weltausstellung, wo weitere stimmungsvolle Städtebilder entstanden.


Da seine Gattin Jüdin war und ihm selber außerdem ein „linkes Image“ anhaftete, wurde über ihn bei der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1938 ein Malverbot verhängt.
Während des zweiten Weltkrieges lebte er in Brünn und in Prag und malte teilweise unter den tschechischen Namen Sindelar und O.Cervenka.
In dieser Zeit malte Schatz viele kleinformatige Werke und 100 Miniaturen von 2x3cm, welche Freunde für wenig Geld in Wien verkauften – Emil Noldes „ungemalte Bilder“ haben ein österreichisches Gegenstück. (Wilfried Daim in „Otto Rudolf Schatz“, Edition Roetzer Eisenstadt, 1978, ISBN 3-85374-O41-3).
1944 wurde Schatz und seine Frau von der Gestapo verhaftet und kamen in ein Arbeitslager, aus welchem er durch die Russen befreit wurde. Seine Frau trennte sich von ihm und ging in die USA.



Als Otto Rudolf Schatz 1945 wieder nach Österreich kam, erhielt er vom damaligen Stadtrat für Kultur, Viktor Matejka, ein Atelier. Im selben Jahr erhielt er auch den ersten Preis der Stadt Wien für Grafik.
1946 wurde Otto Rudolf Schatz Mitglied der Sezession.

Otto Rudolf Schatz malte noch Fresken für das Bahnhofsrestaurant am Westbahnhof und erhielt 1951 den ersten Preis für die Ausgestaltung der großen Halle im Wiener Westbahnhof. Das vorgesehene Kachelmosaik wurde aufgrund einer Entscheidung des zuständigen Ministers Ing. Waldbrunner nicht ausgeführt und an seiner Stelle wurden Reklamebilder angebracht.
Dafür können aber mehrere Mosaike an Wiener Gemeindebauten von Otto Rudolf Schatz heute noch bewundert werden, wie beispielsweise jene am Franz-Novy-Hof im 16. Bezirk und am Gustav-Fuchs-Hof im 11. Bezirk.



Ein Schlüsselwerk der österreichischen Nachkriegsmalerei, das großformatige Gemälde „Blick auf den Stephansdom vom ersten Wiener Hochhaus“ wurde aus einer renommierten Privatsammlung unter Denkmalschutz gestellt.

Otto Rudolf Schatz betrieb Raubbau mit seiner Gesundheit; Frauenaffären, zu viel Kaffee- und Zigarettenkonsum laugten ihn aus und beeinträchtigten seine Gesundheit stark.
Am 26. April 1961 starb Otto Rudolf Schatz in Wien an Lungenkrebs.
Sein Grab befindet sich am Friedhof in Neustift am Walde.


Berthild Zierl
Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.

www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn
„Otto Rudolf Schatz“ von Wilfried Daim, Edition Roetzer Eisenstadt, 1978, ISBN 3-85374-O41-3)Kunsthandel Widder, Ansichtsache, 2011, ISBN 978-3-99028-022-5