Anton Filkuka
2. März 2016
Lois Pregartbauer
5. März 2016

Otto Nedbal

Otto Nedbal

Otto Nedbal

(1903 – 1990)

 

Otto Nedbal wurde als Otto, Josef, Maria, Nedbal am 19. März 1903 in Wien geboren und ist vor 25 Jahren am 9.7.1990 gestorben.

Sein Können erwarb er sich durch ein umfassendes Studium. Er schloss erfolgreiche eine Lehre als Gold- und Silberschmied 1926 ab und studierte von 1924 bis 1930 an der Kunstgewerbeschule der (Vorgänger der Universität für angewandte Kunst) unter den Professoren Josef Hoffmann (Architektur), Eugen Steinhoff (Bildhauerei), Michael Powolny (Glasverarbeitung) und Adele von Stark (Email), Eugen Mayer (Gürtelei und Metallverarbeitung).

 


 

Im Laufe der Zeit geht so manches verloren und zur Wiederherstellung eines früheren Zustandes bedarf es der behutsamen Materialbearbeitung erfahrener Restauratoren. Einer der mit unendlicher Vorsicht und Hingabe an das zu restaurierende Werk heranging, war Prof. Otto Nedbal.

1931 begann Otto Nedbal am Kunstgewerbemuseum in Lemberg (Polen) zu unterrichten und war von da an auch als freischaffender Künstler u.a. für die Wiener Staatsoper, das Museums für angewandte Kunst, das Bundesdenkmalamt in Wien, das Tiroler Landesmuseum in Innsbruck, den Wiener Kirchenbauverein und verschiedene Pfarrgemeinden und Klöster tätig.

Im Jahr 1938 eröffnete er ein Verkaufsgeschäft für Kunstgewerbe im 1. Bezirk in Wien.


1941 wurde Otto Nedbal wegen politischer Unzuverlässigkeit von der Gestapo verhaftet, in weiterer Folge zur Wehrmacht eingezogen. Er geriet in Gefangenschaft, aus welcher er erst 1948 wieder zurück kehrte.


 

1949/1951 hat sich Otto Nedbal bei der Restaurierung des Verduner Altars – eines der bedeutendsten sakralen Kunstwerke des Mittelalters – welche er im Auftrag des Bundesdenkmalamtes durchführte, als einer der ersten mit exakten wissenschaftlichen und technologischen Untersuchungen liturgischer Gegenstände beschäftigt und dabei wertvolle Entdeckungen gemacht. Der Verduner Altar (benannt nach seinem Künstler Nikolaus von Verdun) leuchtet infolge des wegen seinem hohen Schmelzgehalt äußerst widerstandsfähigen Emails, das nun schon mehr als 8 Jahrhunderte überdauert hat, dank der Restaurierung von Otto Nedbal noch heute in ungetrübtem Glanz in der Leopoldskapelle des Augustiner Chorherren Stifts in Klosterneuburg.

Von Otto Nedbal wurden viele sakrale Kostbarkeiten restauriert und für die Nachwelt erhalten, u.a.

  • die 1,4 m hohe Messener Monstranz der Stadtpfarre Waidhofen a.d.Ybbs
  • der Reliquienschrein des heiligen Altmann im Benediktinerstift Göttweig
  • der Corviniuspokal aus dem Dom in Wiener Neustadt
  • das Zinntaufbecken der Stadtpfarrkirche Steyer
  • des Heiliglandkreuzes in der Franzensburg in Laxenburg
  • des siebenarmigen Bronzeleuchters des Stiftes Lilienfeld einem Zisterzienser-Kloster
  • das sogenannte Reisealtärchen des Heiligen Leopold mit Alabasterfiguren des Augustiner Chorherren Stifts Klosterneuburg
  • die Orthokydenschale des Landesmuseums Innsbruck
  • das 147 cm hohe und 94 cm breite, aus dem 7. Jhd. stammende Rupertuskreuz aus Bischofshofen – dem ältesten bekannten christlichen Kunstwerk in Österreich.

Beim Rupertuskreuz handelt es sich um ein mit vergoldetem Kupferblech verkleidetes Schaufelkreuz mit gleichlangen Kreuzarmen, deren Enden schaufelförmig verbreitert sind. Das Rupertuskreuz ist mit Pflanzenranken und Tiermotiven – einer Symbolik des frühen Mittelalters -, sowie Edelsteinen verziert. Es wurde zufällig anlässlich der Renovierung der Pfarrkirche Bischofshofen im Jahre 1999 gefunden. Zuvor lag das Rupertuskreuz jahrhundertelang verstaut in einer Kiste auf dem Dachboden der Pfarrkirche Bischofshofen und geriet in Vergessenheit. Nach der Restaurierung durch Otto Nedbal wurde das sakrale Kunstwerk ins Dommuseum in Salzburg gebracht. Für die Pfarrkirche in Bischofshofen fertigte Otto Nedbal eine Kopie des Rupertuskreuzes an.

Für die Weltausstellung in Brüssel wurde von Otto Nedbal im Jahr 1958 das aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammende Reliquienkreuz, das Adelheid-Kreuz des Benediktiner-Stift St. Paul im Lavanttal restauriert.

Das Adelheidkreuz, mit einer Höhe von 82,9 cm und einer Breite von 65,4 cm wurde von Königin Adelheid von Ungarn, der Tochter von Rudolfs von Rheinfelden, gestiftet und befand sich bis ins 19. Jahrhundert im Kloster St. Blasien im Schwarzwald im Landkreis Waldshut und gelangte dann nach St. Paul. Das Kreuz besteht aus einem mit vergoldetem Silberblech überzogen Holzkern. Auf der Vorderseite sind Gemmen, das sind geschnittene Schmucksteine bzw. Edelsteine und Perlen, eingearbeitet. Vom Mittelquadrat des Kreuzes gehen die vier Arme ab, von denen der untere länger als die anderen ist. Die Enden der Arme sind zu Quadraten erweitert. Für das Benediktinerstift St. Blasien im Schwarzwald wurde 1982/83 von Otto Nedbal eine Kopie des Adelheidkreuzes angefertigt.

Für die Babenberger-Ausstellung im Stift Lilienfeld restaurierte Otto Nedbal einen 4,63 m hohen und 2,91 m breiten Leuchter aus Bronze mit einem Gewicht von 165 kg. Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurde zwischen 1966und 1976 der Leuchter in mühevoller Arbeit zerlegt, restauriert, gereinigt und wieder zusammengesetzt.

Otto Nedbal fertigte auch für mehrere geistliche Würdenträger im In- und Ausland  Pektorale (Brustkreuze) oder Prunkkelche an, wie beispielsweise jenen mit 12 Emailauflagen gefertigten und für ein Priesterseminar einer griechisch-katholischen Kirche in Canada hergestellten.

Auch Restaurierungen von Intarsien, wie u.a. jene des Orgeltisches des Stifts Herzogenburg, einer Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren, wurden von ihm vorgenommen. Und um die Vielfalt der von Otto Nedbal durchgeführten Restaurierungen zu untermauern ist auch die Restaurierung einer sizilianischen Krippe mit Korallenfiguren erwähnenswert, welche von berühmten sizilianischen Gemmenschneidern aus dem 15. Jahrhundert angefertigt wurde.


Im Jahr 1952 wurde Otto Nedbal an die Akademie für angewandt Kunst in Wien berufen und leitete dort die Klasse für Metallrestaurierung. Ein zentrales Ausbildungsziel war die Vermittlung von theoretischem Wissen in Kunstgeschichte und Metalltechnologie, um bei Restaurierungen, sowohl stilistisch als auch technologisch, passende Ergänzungen am Original vornehmen zu können. Wichtig war Otto Nedbal, dass seine Studenten nicht nur restaurieren lernten, sondern auch ihre künstlerische Begabung und ihr Geschick ganz dem historischen Objekt unterzuordnen verstanden. Otto Nedbal habe von seinen Studenten u.a. ein umfangreiches Materialstudium und jenes des notwendigen Werkzeuges abverlangt. Wie verhält sich Blech beim Bearbeiten mit unterschiedlichen Hämmern? Wie lässt sich das Material die Behandlung gefallen? Welche Spuren hinterlassen die Werkzeuge auf dem Metall?

 

„Hau einmal so lange darauf, bis es reißt, nur so bekommst du ein Gefühl dafür, wann du das nächste Mal aufhören musst!“

habe Nedbal gesagt, kann man in „Metallkonservierung, Metallrestaurierung: Geschichte, Methode, Praxis“ auf Seite 70, lesen.


Otto Nedbal war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs und im Verein „Vergleichende Kunstforschung“.

Seine vielgeachtete Arbeit erhielt Ehrungen wie:

  • 1961 die silberne Eligius-Medaille der Goldschiede-Innung
  • 1963 das Diplom für Emailarbeiten (Triennale Mailand)
  • 1973 die Ernennung zum ordentlichen Professor
  • 1980 das goldenes Verdienstkreuz 1. Klasse von der Republik Österreich.

Berthild Zierl
Präsidentin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien/NÖ/Bgld.
www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Curriculum Vita des Künstlers Prof. Nedbal Otto
Interview mit Konstantin Nedbal
Metallkonservierung, Metallrestaurierung: Geschichte, Methode, Praxis von Martina Griesser-Stermscheg und Gabriela Krist, Verlag Böhlau, 2009
Konservierungswissenschaft schreibt Geschichte, ISBN 978-3-205-78859-1
Der Verduner Altar von Floridus Röhrig, Verlag Stift Klosterneuberg, Druckerei Robitschek 2009
wikipedia.org/wiki/Adelheid-Kreuz, Zugriff 7.3.2015