Sergius Pauser (1896-1970)
23. September 2017
Franz von Matsch (1861 – 1942)
6. Januar 2018

Karl Stemolak (1875 – 1954)

Karl Stemolak (1875 - 1954)

Karl Stemolak
(1875 – 1954)

Der österreichische Bildhauer Karl Stemolak ist am 8. November 1875 in Graz geboren. Sein Vater Karl Mayrhofer starb, als Karl Stemolak 2 Jahre alt war. Er hatte vorsorglich für die Erziehung seines Sohnes Geld bei der Vormundschaftsbehörde hinterlegt.

Karl Stemolak war mit Louise Stemolak verheiratet. Das Paar hatte keine Kinder.

Von 1946 bis 1954 war Karl Stemolak Präsident der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs. Unter seiner Präsidentschaft fand die erste große Österreichische Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg statt, für deren Gelingen und insbesondere für die Wertschätzung einer so wichtigen Veranstaltung für bildende Künstler durch die Politik er maßgeblich verantwortlich war.


Nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule in Graz studierte Karl Stemolak an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Professor Edmund von Hellmer (1850 bis 1935), jenem berühmten österreichischen Bildhauer, der beispielsweise die Skulpturen gestürzter Giganten des Brunnens „Die Macht zu Lande“ am Michaelerplatz im 1. Bezirk in Wien schuf.
Nachdem Karl Stemolak den Rompreis, welcher mit einer Italienreise verbunden war, erhalten hatte, konnte er in den Jahren 1903/1904 Italien bereisen. Die Eindrücke der Italienreise haben die Werke jener Zeit verstärkt beeinflusst.

Karl Stemolk war nach eigenen Angaben ab 1906 als freischaffender Künstler tätig.

Über Stemolaks Arbeiten schrieb Prof. Dr. Josef Gregor nach einem Atelierbesuch in „Der getreue Eckart Nr. 5, 1943:

„Er kennt nichts anderes als das bildhauernde Schaffen, die Bewältigung des Marmors und die Feinheiten der Bronze“.

Der Mensch stand im Mittelpunkt von Stemolaks künstlerischem Schaffen, wobei er in seinen Werken die Auseinandersetzung mit der Antike immer wieder einfließen ließ, wie beispielsweise bei seinem Werk „Schreitender Jüngling“. Die 67 cm große Bronzeplastik ist ungefähr 1936 entstanden. Vom Künstlerhaus wurde seinerzeit die Figur auf einer Kunstkarte abgebildet verkauft. Die Bronzestatue befindet sich heute im Wien Museum.
Karl Stemolaks männliche Figuren versanken geradezu in einem schönen Muskelbau voll männlicher Kraft und die weiblichen Figuren waren stets weich und sanft und unterstrichen so das Weibliche sehr eindrucksvoll.Sein im Jahr 1918 geschaffener, 35 cm großer Mädchenkopf aus weißem Marmor zeigt, als Beispiel für viele weibliche Büsten, die sanfte Weichheit weiblicher Formen.


Stemolak Karl, Mädchenkopf, weißer Marmor, Höhe 35 cm, 1918

Betrachten wir dazu als Beispiel aber auch die beiden Figuren des Relieffries an der ehemaligen Exportakademie (heute Bibliothek der Wirtschaftsuniversität aus dem Jahr 1916.


Stemolak Karl, Relieffries an der ehemaligen Exportakademie, 1916

Stemolaks Werke erinnern über all die Jahre seines künstlerischen Schaffens immer wieder an die ruhige Ausstrahlung antiker Skulpturen.
Am Kapaunplatz im 10. Bezirk in Wien stehen in der Parkanlage Sandsteinplastiken von Karl Stemolak, welche ein edel vorwärtsschreitendes Paar (Mann und Frau) zeigen. Stemolak fertigte diese Sandsteinplastik im Jahr 1932/33 an.
Als weitere Werke von Karl Stemolak können die Bauplastiken am Wiener Justizpalast und jene an der Fassade des Amalienbades im 10. Bezirk in Wien heute noch bewundert werden.

Prof. Dr. Josef Gregor, welcher Karl Stemolak mehrmals in seinem Atelier besuchte berichtete, dass Karl Stemolak ein Musikliebhaber war, selber Laute spielte und ein geselliger Mensch war. Stemolaks Mitgliedschaften im Kunstbeirat beim Bundesministerium für Unterricht, in diversen Künstlervereinigungen (er war Mitglied im Hagenbund welcher ihm im Jahr 1935 zu seinem 60. Geburtstag eine Sonderausstellung widmete – in der Wiener Secession und in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs) bestätigen dies genau so wie seine dortigen Aktivitäten. So war Karl Stemolak Präsident des Hagenbundes von 1914 bis zu dessen Auflösung im Jahr 1938, Präsident der Wiener Secession von 1946 bis 1947 und von 1946 bis 1954 Präsident der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs.
Die Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs ist die älteste Interessensvertretung für Künstlerinnen und Künstler in Österreich und dieser Funktion organisierte sie, unter ihrem Präsidenten Karl Stemolak im Künstlerhaus die „Erste Große Österreichische Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg“, welche in die Kulturgeschichte eingegangen ist. Die Organisation dieses mit viel Einfallsreichtum organisierten Kunstevents zeugt anschaulich von seinem großen Organisationstalent.



Karl Stemolaks Werk wurde schon zu Lebzeiten geschätzt und geehrt. In den Jahren 1907 und 1934 wurden Werke von Karl Stemolak in der Biennale in Venedig gezeigt. Er erhielt

  • 1903 den Rompreis der Akademie der bildenden Künste
  • 1915 die Staatsmedaille und den Ehrenpreis der Stadt Wien
  • 1929 den Großen Preis der Stadt Wien
  • 1935 Staatsmedaille und Ehrenpreis der Stadt Wien (Schmidt)
  • 1937 Goldene Staatsmedaille
  • 1947 den staatlicher Ehrenpreis anlässlich der „Ersten Großen Österreichischen Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg“
  • 1950 den Ehrenring der Stadt Wien und Ernennung zum Ehrenbürger
  • 1954 den Preis der Stadt Wien für bildende Kunst.

Karl Stemolak starb am 14. April 1954 in Wien. 10 Jahre nach seinem Tod wurde im Jahr 1964 in Wien Donaustadt (22. Bezirk) die Stemolakgasse nach ihm benannt.
Viele seiner Arbeiten wurden im In- und Ausland gezeigt, wofür er u.a. Orden für seine Ausstellungstätigkeit erhielt. Seine Werke befinden sich heute in privaten Sammlungen und öffentlichen Museen, u.a. in der Österreichischen Galerie Belvedere und in den Sammlungen des Wien Museum.

Berthild Zierl
Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at



Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Archiv Karl Novak, Ehrenpräsident der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Katalog zur „Ersten Großen Österreichischen Kunstausstellung nach dem zweiten Weltkrieg“, 1947
Katalog zur Ausstellung „Der Hagenbund“, 40. Sonderausstellung, Museum der Stadt Wien, Herbst 1975
Expressiv, neusachlich, verboten (Hagenbund und seine Künstler) von Prof. Peter Chrastek, ISBN 978-3-9504059-1-0
Wiener Jahrbuch für bildende Kunst 1922, Kunstverlag Anton Schroll & Co Karl Stemolak von Prof. Dr. Josef Gregor
Der getreue Eckart Nr. 5, 1943, Karl Stemolak von Prof. Dr. Josef Gregor

Auszüge aus dem Schmidt-Nachlass im Belvedere
https://www.wien.gv.at/rk/historisch/1950/dezember.html, Zugriff 2.7.2017