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Karl Hagenauer (1898 – 1956)

Karl Hagenauer

Karl Hagenauer (1898 – 1956)

 

Karl Hagenauer (1898 – 1956) und Franz Hagenauer (1906 – 1986), beide waren Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, hatten gute Voraussetzungen für eine Karriere als Künstler, denn ihr Vater Carl Hagenauer (1872 – 1928) erzeugte zeitgemäße Bronzewaren und ließ sich 1901 im 7. Bezirk in Wien nieder. Damals war der 7. Bezirk von Wien ein Zentrum der Metallverarbeitung, in welchem renommierte Betriebe wie beispielsweise die Wiener Werkstätte ihren Firmensitz hatten.
Die Werkstätte Hagenauer wurde vor allem durch eine Vielzahl an künstlerischen Gebrauchsgegenständen bekannt und gehört noch heute zu den bekanntesten Vertretern des Designs auf der ganzen Welt.



Carl Hagenauer förderte seinen Sohn Karl, indem er diesen mit 11 Jahren im Jahr 1909 in der Kunstgewerbeschule in Wien einschrieb, damit dieser einen vom österreichischen Maler, Designer und Kunsterzieher Franz Čižek (1865-1946) geleiteten Jungendkunstkurs besuchen konnte. Franz Čižeks Leitmotiv, mit welchem er die Jugend unterrichtete, war: Nicht lehren, nicht lernen – wachsen lassen aus den eigenen Wurzeln (Hagenauer – Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit, Seite 20). Damit befreite er seine Schüler von formalen Zwängen und ermöglichte ihnen größtmögliche Entfaltung.
Karl Hagenauer studierte dann ab 1914 an der Kunstgewerbeschule in Wien bei den Professoren Josef Hoffmann (ebenfalls Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs) und Oskar Strnad.
Josef Hoffmann sah in ihm ein sehr großes Talent und unterstrich dies in seiner Beurteilung mit:

Karl Hagenauer besitzt sehr guten Formensinn, ist handwerklich sehr geschickt“,

 außerdem verfüge er

 „über eine sehr gute zeichnerische Begabung“, ebenso sei er „sehr begabt für den Entwurf und technisch vollkommen vorbereitet“.

Da Josef Hoffmann von Karl Hagenauers Talent überzeugt war, beauftragte er ihn später mit der Ausführung von Objekten für die Wiener Werkstätte.


Am 11. Mai 1916 musste Karl Hagenauer sein Studium unterbrechen und zum Militär einrücken. Er trat seinen Dienst bei den Kaiserjägern als Fähnrich an, geriet später in italienische Gefangenschaft und kehrte Anfang 1919 nach Wien zurück. 1919/20 absolvierte er sein letztes Studienjahr und schloss mit dem Architekten-Diplom ab.

Er arbeitete danach in der Werkstätte seines Vaters und war für die kunstgewerblichen Entwürfe verantwortlich. Es entstanden zahlreiche Arbeiten in Silber, Messing, Kupfer, Email, Elfenbein, Stein und Holz. Der junge Karl Hagenauer war es dann auch, der in der Hagenauer Werkstätte einen neusachlichen Stil einführte. Den bis dahin üppigen Dekors des Jugendstils folgten Objekte mit klaren, schnörkellosen Formen.

                     
Karl Hagenauer                                     Karl Hagenauer
Foto zVfg. Ronald Hagenauer            Foto zVfg. Ronald Hagenauer

Zum seinerzeitigen Repertoire gehörten bei aller formalen Reduzierung aber auch verspielte, dekorative Kleinplastiken.

Karl Hagenauer
Foto zVfg. Ronald Hagenauer


In den 1920er Jahren ging (veranlasst durch Karl Hagenauer) ein großer Teil der Produktion an ausländische Händler. Insbesondere in den USA hatte die Firma sehr gute Kunden.


Nach dem Tod von Carl Hagenauer im Jahr 1928 führte Karl Hagenauer als Geschäftsführer mit seinen Geschwistern Grete und Franz die Firma weiter. Er gründete Filialen in Wien und Salzburg und erweiterte die Wiener Firma um eine eigene Tischlerei.
In den späten 1940er Jahren führte die Werkstätte eine neue Technik ein, mittels derer Messingobjekte auch in Schwarz ausgeführt werden konnten. Bei der sogenannten „Patinierung“ werden Messingobjekte einige Minuten in Chemikalien gekocht, wodurch es zu einer Oxidation der Oberfläche kommt und diese sich schwarz verfärbt. Je nach Dauer des Vorgangs konnte eine leicht bräunliche bis schwarze Färbung erzielt werden. Manche der so gefärbten Objekte wurden anschließend an bestimmten Stellen wieder aufpoliert, wodurch das goldfarbene Messing wieder zum Vorschein kam. Auf diese Weise wurde eine neue Designvariation geschaffen, die in den 1950er und 60er Jahren häufig angewendet wurde. Karl Hagenauer stellte diese Technik als erster auf einer Wiener Kunstgewerbeausstellung aus.

Karl Hagenauer



Nachdem während des 2. Weltkriegs die Werkstätte auch zur Produktion von Messingteilen für die Rüstungsindustrie herangezogen wurde und Franz Hagenauer als Soldat dienen musste, normalisierte sich die Situation der Werkstätte nach Kriegsende allmählich wieder. Die Zerstörungen des 2. Weltkrieges hatten auch zur Folge, dass die Werkstätte vermehrt Gebrauchsartikel herstellte.
Karl Hagenauer stellte seine Werke auf internationalen Messen (Mailand, Monza, Weltausstellung in Paris und Philadelphia, etc.) aus, wo er zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei Goldmedaillen gewann.

Karl Hagenauer war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs und Vorstandsmitglied des Österreichischen Werkbundes. Er leitete die Werkstätte Hagenauer bis zu seinem frühen Tod. Er starb im Jahr 1956 im Alter von nur 57 Jahren an einem Herzinfarkt.


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at



Quelle:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Ausstellungskatalog Wagner-Werk der BAWAG Foundation, 2011
Hagenauer – Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit von Mag. Phil. Olga Kronsteiner
Im Kinsky 1/214
Ronald Hagenauer, Galerie Karl Hagenauer, Opernring 21, Wien