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Franz Traunfellner (1913 bis 1986)

Franz Traunfellner

Der österreichische Maler und Grafiker Franz Traunfellner war berühmt für seine Holzschnitte mit klaren, einfachen Formen und Linien. Traunfellner war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, in der Österreichischen Ex Libris–Gesellschaft, im Landesverband der niederösterreichischen Kunstvereine, im Salzburger Kunstverein, in der ARTA, einer internationalen Vereinigung von Künstlern und Kunstfreunden und im Künstlerhaus in Wien.
Ausgangspunkt für seine Werke war stets eine auf der Natur und den Menschen um ihn herum basierende Zeichnung. Die Zeichnung diente Traunfellner einerseits zum Festhalten des Gesehenen und andererseits für ein „In-Bewegung-Setzen“ von Gedanken, aber auch um das Festgehaltene zu verändern und neue Lösungen zu finden. Mit vielen fein geschnittenen Linien füllte Franz Traunfellner Flächen aus, damit diese zahlreiche Zwischentöne von hell- bis dunkelgrau erzeugten, um den sonst nur zweifärbigen Schwarz-Weiß-Druck interessanter zu gestalten. An sich handelt es sich dabei um optische Täuschungen, die durch breitere oder schmälere Stege entstanden.
Bei vielen Holzstichen in Schwarz-Weiß befindet sich kaum eine Fläche im Bild, nur eine Fülle von bewegten Linien, welche Flächen in unterschiedlichsten Grautönen erscheinen lassen. Gerade diese Fülle an fein geschnittenen, zur Fläche geformten, Linien verleihen Traunfellners Holzschnitten und Holzstichen eine sanfte Bewegtheit, welche in Holzschnitten in diesen Techniken sonst kaum zu finden ist.

Franz Traunfellner, Rhythmische Landschaft, 1971, 21 cm x 28 cm

Die Möglichkeit, von einem Druckstock viele Abzüge herzustellen (weswegen druckgrafische Techniken oft angewendet werden) nützte Franz Traunfellner kaum aus. Seine Arbeitstechnik war mehr auf Unikate ausgerichtet und er bevorzugte den Handabzug, um auch die feinsten Strukturen in ihrer Sensibilität zu erhalten.

Franz Traunfellner, Jausenzeit

Neben den Holzschnitten hielt Franz Traunfellner Motive seiner unmittelbaren Umgebung in ausdruckstarken Radierungen, Lithografien, Aquarellen und Ölbildern fest.
Bei seinen Ölgemälden der späteren Jahre überwog wie bei den Farbholzschnitten das Streben nach einer geschlossenen, knappen Form.


Franz Traunfellner wurde 1913 in Gerersdorf im südlichen Waldviertel geboren. Er war verheiratet und hatte eine Tochter, Irmgard geb. 1948.

Traunfellners Eltern betrieben eine Landwirtschaft, in der Franz Traunfellner nach Abschluss der Schule mitarbeitete. So verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens in diesem kleinen hoch über dem Weitental gelegenen Bauernort.

Die Techniken des Holzstichs und Holzschnitts eignete er sich autodidaktisch an, die Technik der Radierung erlernte er von 1937 bis 1939 in Melk bei Professor Kromar von Hohenwolf, für die Technik der Lithographie studierte er 1956 als Gastschüler an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.

Von 1940 bis 1945 musste Franz Traunfellner Kriegsdienst als technischer Zeichner in Allensteig und Zwettl leisten.
Im Katalog Nr. 18/1983 „Franz Traunfellner“, herausgegeben vom niederösterreichischen Dokumentationszentrum für moderne Kunst heißt es:

Der Aufenthalt in der Fremde erweiterte meinen Gesichtskreis. Die Härte der Erlebnisse ließ ein anderes, illusionsloseres Lebensbild in mir entstehen.

1945 heiratete Franz Traunfellner die Buchhändlerin Käthe Renner und kehrte auf den Bauernhof seiner Eltern zurück. Neben seiner Arbeit in der Landwirtschaft beschäftigte er sich nun intensiv mit Druckgrafik und es entstanden zunächst vor allem Holzstiche und Holzschnitte. In der dörflichen Stille fand er nach der schweren Kriegszeit langsam wieder zu sich selbst zurück. Das Erscheinungsbild seines Dorfes und das bäuerliche Leben hielt er in vielen Ansichten fest, stets der Natur verhaftet und dennoch – schon alleine durch die gewählte Technik des Holzschnittes, bei welcher das gesehene Bild in Flächen und Linien zerlegt wird – in vereinfachter, abstrahierter Form.

1948 konnte Franz Traunfellner erstmals in einer Einzelausstellung im Kulturamt der Stadt Krems seine Werke präsentieren. Im selben Jahr trat er der Österreichischen Ex-Libris–Gesellschaft als Mitglied bei, über die sich schon zuvor interessante Auslandskontakte ergaben. Ein Jahr später illustrierte er erstmals ein Buch von Franz Petuelli „Lob der Landschaft“, welches im Verlag J. Faber in Krems erschien.

1951 starb sein Vater und Franz Traunfellner musste neben seiner Arbeit in der Landwirtschaft auch dessen Arbeit in der elterlichen Holzwerkstatt weiterführen. Für die Kunst blieb daher wenig Zeit übrig.

1956 erhielt Franz Traunfellner ein Stipendium mit dem er an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien bei Prof. Josef Quittan (1916-2014) studieren konnte. Bereits während des Krieges hatte er sich mit Prof. Karl Sterrer (1885-1972) angefreundet, welcher ihn in seine Meisterklasse an der Akademie aufnehmen wollte, wozu es aber wegen dem schlechten Gesundheitszustand von Sterrer nicht mehr kam.

1958 kaufte die Albertina in Wien zum ersten Mal ein Werk von Franz Traunfellner. Im selben Jahr konnte Traunfellner als Stipendiat der Niederösterreichischen Landesregierung nach Venedig reisen. Später sollten noch weitere Reisen folgen, u.a. nach Italien, Jugoslawien und Worpswede.
Im Waldviertel hatte sich nun vieles verändert, da die Technisierung auch vor den entlegensten Regionen nicht Halt machte. Franz Traunfellner beklagte den Wandel nicht, aber er versuchte in seinen Werken die ihm so wichtige Stille zu bewahren und das Besinnen inmitten einer immer schneller und lauter werdenden Zeit.

Franz Traunfellner, Stämme

Als 1963 seine Mutter verstarb, gab Franz Traunfellner die Landwirtschaft auf, um sich ganz seiner Kunst widmen zu können. Traunfellner war damals bereits 50 Jahre alt, aber nun begann eine intensive Schaffensperiode.
1971 drehte der ORF den Fernsehfilm „Portrait Franz Traunfellner“ und zwei Jahre später erschien im Siebenberg Verlag unter dem Verleger Walter Exner, das Buch „Mein Waldviertel“ mit zahlreichen Graphiken von Franz Traunfellner und Texten von Univ.-Prof. Dr. Rupert Feuchtmüller.
In den nächsten Jahren schuf Traunfellner eine große Anzahl Grafiken, welche durch die zunehmende Reduktion der Darstellung bemerkenswert sind.
Gleichzeitig entfaltete er eine rege Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland. 1983 erschien im Wiener Verlag Wolfrum das Buch „Franz Traunfellner – Eine Werkübersicht“.

Franz Traunfellner starb 1986. Er liegt auf dem Friedhof der spätgotischen Kirche St. Anna im Felde in Pöggstall begraben.


Franz Traunfellner war der erste Künstler, welcher mit dem Kulturpreis für bildende Kunst in Niederösterreich ausgezeichnet wurde.
Außerdem erhielt er:

  • 1948 Silberne Medaille des Landes Niederösterreich
  • 1956 Goldene Medaille des Landes Niederösterreich
  • 1960 Kulturpreis für Bildende Kunst des Landes Niederösterreich
  • 1968 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich
  • 1974 Berufstitel Professor
  • 1984 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
  • 1984 Goldener Lorbeer der Gesellschaft Bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus Wien

Werke des Künstlers befinden sich u.a. in öffentlichen Sammlungen und Museen:

Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.
www.zierlart.at



Quelle:
Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Katalog „Franz Traunfellner“, NÖ Dokumentationszentrum für moderne Kunst, 3100 St. Pölten, Heft Nr. 18/1983
„Mein Waldviertel“ von Rupert Feuchtmüller, Siebenberg-Verlag, Zwettl/NÖ, ISBN 3 85074 000 5
Gespräch mit Traunfellners Tochter Irmgard.