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Franz Hagenauer (1906 – 1986)

Franz Hagenauer

Franz Hagenauer war schon als Kind künstlerisch begabt und besuchte wie schon zuvor sein älterer Bruder Karl im Alter von 8 Jahren den Jugendkurs beim österreichischen Maler, Designer und Kunsterzieher Franz Čižek (1865-1946) an der Kunstgewerbeschule in Wien. Von 1921-1926 studierte er bei Professor Anton Hanak Bildhauerei. Im letzten Studienjahr absolvierte er die von Professor Josef Hoffmann geleitete „Werkstätte für Gürtlerei und Metalltreiben“.

Im Zeugnis attestierte ihm Anton Hanak:

 

außergewöhnliche Gestaltungsgabe auf dem Gebiet der Metallplastik (Blechtreibarbeit) sowie eine gesunde Veranlagung zur Weiterentwicklung auf handwerklicher Basis“

 

(Standard 4./5.10.2014)

Im Schuljahr 1922/23 gewann Franz Hagenauer den von der Wiener Werkstätte ausgeschriebenen Preis für Blechplastik, welcher mit einer Million Kronen, das sind heute ca. 670 Euro, dotiert war.
1924 nahm er an der Weltausstellung in Paris teil. Kurz danach gab er im Zuge einer von Clemens Holzmeister konzipierten Ausstellung in der Wiener Sezession, die sich dem Thema christlicher Kunst und Kunsthandwerk widmete, sein Debüt in der österreichischen Kunstszene.

Er arbeitete im Betrieb seines Vaters Carl Hagenauer, welcher nach dessen Tod 1928 unter seinem Bruder Karl Hagenauer weitergeführt wurde.


Mehrere Auslandsaufenthalte in Paris, Berlin und Rom beeinflussten Franz Hagenauer mit dem Zeitgeist der Moderne. Mit Verzicht auf alles Unwesentliche und klaren Formen schaffte Franz Hagenauer die Einfühlung in das Wesen der Dinge.
Mit seinen reduzierten Formen gesichtsloser Köpfe wurde er dann auch zum Mitgestalter der Formensprache der Moderne.

Schon in den späten 1930er Jahren entwarf Franz Hagenauer die ersten Köpfe aus gehämmertem Messingblech, für die er später berühmt wurde.
Aus verschiedenen Metallen hämmerte (trieb) er seine unverwechselbaren Skulpturen. Schon früh wagte Franz Hagenauer die radikale Reduktion und besticht heute noch durch seine Konzentration auf das Wesentliche.
Oftmals bestechen diese radikal reduzierten Skulpturen nur durch ein minimales Detail, aus dem ein derart kreatives Spannungsfeld entsteht, dass es dem Betrachter sogar eine Tür „hinter das Objekt“ öffnet.
In den 1960er bis 1980er Jahren wurden diese Köpfe aufgrund starker Nachfrage in der Hagenauer Werkstätte produziert und die Objekte wurden oft direkt an internationale Kunsthändler verkauft.


Zurück zu den Anfängen. Franz Hagenauers Arbeiten fanden Anerkennung bei mehreren internationalen Ausstellungen in Paris, Mailand, Venedig und Wien, bis der 2.Weltkrieg sein Schaffen unterbrach.


Bereits 1939 wurde Franz Hagenauer zum Kriegsdienst eingezogen. Von 1939 bis 1945 versah er bei der „Flak“ als Scharfschütze seinen Dienst.


Nach dem 2. Weltkrieg fuhr Franz Hagenauer 1945 seine Mutter und Schwester zur Erholung nach Fuschel am See in Salzburg. Dort entdeckte er eine leer stehende Drechsler- und Tischlerwerkstätte samt einem Lagerbestand an Holz, welche er mietete. Bis August 1949 entstanden dort schlichte Holzschalen und humorvolle Tier- und andere Figuren. 1946 wurde er Salzburger Landesinnungsmeister.


Ende der 1940er Jahre kehrte Franz Hagenauer nach Wien zurück und heiratete 1949 seine Frau Ingeborg. Im darauffolgenden Jahr kam seine Tochter Claudia zur Welt und 1952 Caja.

Im März 1956 verstarb sein Bruder Karl Hagenauer und Franz Hagenauer musste den Betrieb übernehmen.



Heute ist kaum noch bekannt, dass Franz Hagenauer auch viele Arbeiten im öffentlichen Raum ausführte. Ein bedeutender, öffentlicher Auftrag war der Entwurf und die Herstellung des großen Bundesadlers im Österreichischen Parlament. Ein ebenfalls von Franz Hagenauer ausgeführtes Wappen befindet sich auf der Österreichischen Botschaft in Neu-Delhi und auch ein Wappen für Jordanien wurde unter König Hussein von Franz Hagenauer entworfen und ausgeführt. Für seine Villa in Wien ließ König Hussein von Jordanien von ihm vergoldete Kronleuchter anfertigen.
1962 wurde Franz Hagenauer Professor für freies Gestalten in Metall an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien berufen. Später übernahm er auch eine Klasse für Emailarbeiten. Ab dieser Zeit widmete sich Franz Hagenauer wieder verstärkt seinen eigenständigen getriebenen Skulpturen.
1971 fand eine umfangreiche Ausstellung über die Werkstätte Hagenauer im Museum für angewandte Kunst statt.
Fritz Wotruba, der mit Franz Hagenauer befreundet war, schrieb dazu im Ausstellungskatalog über einen ausgestellten Torso von Franz Hagenauer, dass dieser nicht nur das Meisterstück eines Handwerkers sei, sondern auch als Kunstwerk überzeuge.

„Stellt man diesen Torso zusammen mit den monumentalen Köpfen neben das formlose, weiche Gekröse seiner österreichischen Zeitgenossen, ermisst man den Abstand, der gefühlsduselige Kneterei und geistige Vorstellung voneinander trennt,

resümiert Wotruba weiter. Franz Hagenauer habe

„nicht nur die kleinbürgerliche österreichische Folklore abschütteln“ sowie „aus dem Stilpanzer seines Handwerks und dem traditionellen Milieu seiner Familie befreien müssen“ 

aber er

solle seine Sache weiterführen“.

(siehe Hagenauer, Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit, Seite 112).
Franz Hagenauer tat dies dann auch in der Tat bis zu seinem Tod am 26. September 1986; ein Jahr später wurde die Werkstätte Hagenauer geschlossen.


Franz Hagenauer war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, in der Kunstschau, der Wiener Sezession und im Künstlerhaus.


Sein Werk wurde schon zu Lebzeiten geehrt:

  • 1934 Beteiligung an der Biennale in Venedig
  • 1937 Weltausstellung „Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne“, Paris
  • 1950 Preis für angewandte Kunst der Stadt Wien
  • 1958 Weltausstellung in Brüssel

Heute befinden sich Werke von Franz Hagenauer in vielen öffentlichen und privaten Kunstsammlungen – jene von Barbra Streisand und Andy Warhol sind beispielsweise darunter – (http://wiev1.orf.at/stories/516111), sowie im Museum für angewandte Kunst, in der Österreichischen Nationalgalerie im Oberen Belvedere und im Leopoldmuseum.



Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.

www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40
Hagenauer, Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit, 2011
Ronald Hagenauer, Galerie Karl Hagenauer, Opernring 21, Wien
DER STANDARD, 4./5.10.2014 Meiserliche Wandlung vom Handwerker zum Bildhauer
http://wiev1.orf.at/stories/516111
http://www.karlhagenauer.at