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Alfred Gerstenbrand (1888 bis 1977)

Alfred Gerstenbrand

Alfred Gerstenbrand

Alfred Gerstenbrand war ein sehr vielseitiger Künstler – er war Maler, Graphiker, Illustrator, Schriftsteller und Karikaturist.

Mit seinen Eltern Ferdinand und Maria Gerstenbrand, geborene Hochhauser wohnte er im 4. Bezirk in Wien im selben Haus wie seine Großeltern mütterlicherseits, Emilie und Karl Hochhauser. Zu seinem Großvater, einem ehemaligen Offizier, hatte er eine innige Beziehung und dieser hielt ihn schon früh an, Pferde und Soldaten zu zeichnen, was ihm schon im Alter von 7 Jahren gut gelang, wie er in einem Interview am 9.1.1973 Emil Schenk berichtete. Sein „Lehrmeister“ sei damals das illustrierte Buch „Unter den Fahnen“ von Felician von Myrbach gewesen. Genau dieser Baron Felician von Myrbach wurde später sein Lehrer.


Im Interview vom 9.1.1973 berichtet Alfred Gerstenbrand, dass er tatsächlich im Jahr 1888 und nicht 1881 geboren sei. Während dem Krieg sei sein Geburtsdatum irrtümlich in seinen Unterlagen falsch eingetragen worden und dieser Fehler wurde später auch in zahlreichen Berichten über den Künstler übernommen.


Obwohl es in der Familie einige Widerstände in Bezug auf Alfred Gerstenbrand Berufswunsch gab, durfte er die Kunstgewerbeschule besuchen. Von Helmut Schipani – er schrieb zusammen mit Ruth Kaltenegger eine Monographie über Alfred Gerstenbrand – erhielt ich für diesen Beitrag Werkfotos und hilfreiches Datenmaterial. Schipani berichtete, dass Gerstenbrand von Beginn an nach der Natur Personen zeichnen wollte und sehr enttäuscht war, dass er vorerst unter Prof. Willibald Schulmeister im „Ornamentalen Zeichnen“ unterrichtet wurde.

Im oben erwähnten Interview berichtete Gerstenbrand, dass von all seinen Lehrern Felician von Myrbach, Kolomann Moser und Josef Hofmann für ihn wegweisend waren. Über Kolomann Moser sagte er:

Moser war ein richtiger Wiener, redete wienerisch, war sehr g’scheit, sehr wohlhabend und ein angenehmer Lehrer, der Wert auf‘s Zeichnen legte, was ja die Basis ist.“

In der Kunstgewerbeschule begann Gerstenbrand an seiner Begabung zu zweifeln und fing deshalb im Finanzministerium als Rechnungspraktikant zu arbeiten an. Unabhängig von seiner Tätigkeit im Finanzministerium hielt er aber nach wie vor engen Kontakt zu einigen seiner ehemaligen Schulkollegen aus der Wiener Kunstgewerbeschule.
Helmut Schipani schreibt dazu:

Es bildete sich 1904 ein Freundeskreis um ihn, Hans Kalmsteiner und Anton Kling, die ihre Gemeinschaft „Die Künstlergenossenschaft Spengergasse 56” nannten und sich der gegenseitigen Hilfestellung verpflichteten. An derselben Adresse im 5. Wiener Gemeindebezirk befand sich ein von den Freunden gemeinsam bis 1912 benütztes Atelier. Toni (Kling) und Hans (Kalmsteiner) wie sie sich als Freunde nannten, hatten ihre Studien an der Kunstgewerbeschule inzwischen beendet und gaben ihr Wissen an ihren Freund Alfred, auch „Gerstl“ genannt, weiter.“

Über diese Kontrakte lernte Alfred Gerstenbrand Josef Hoffmann und Kolomann Moser kennen, welche 1903 zusammen mit dem Industriellen Fritz Waerndorfer die Wiener Werkstätte gegründet hatten.

Josef Hoffmann soll die jungen Kunststudenten unablässig mit:

 „Macht’s ’was Neues! Macht’s doch ‘was Neues, das noch nie da war!”

angefeuert haben. (Alfred Gerstenbrand – Künstlerleben eines Jahrhunderts, S 23)


Als Gerstenbrand ein Porträt von Anton Kling für die von Gustav Klimt anlässlich des 60-jährigen Regentenjubiläums Kaiser Franz Josefs in Wien initiierte Ausstellung einsandte, wurde das Werk von der Ausstellungskommission angenommen und damit nahm er zum ersten Mal an einer Ausstellung teil.

Gustav Klimt urteilte über Alfred Gerstenbrand in „Alfred Gerstenbrand – Künstlerleben eines Jahrhunderts, S 24:

„Also als Zeichner zeigt er schon allerhand! Er sollte halt nach Paris gehen, wenn sich dort sein wienerisches Temp’rament mit dem pariserischen mischen würde!”

Mit Hilfe der befreundeten Maler entwickelte Alfred Gerstenbrand nun sein zeichnerisches Talent weiter.


Im Ersten Weltkrieg wurde Mirko Jelusich Gerstenbrands Adjutanten. Mit Jelusich verband ihn bald eine Jahrzehnte andauernde Freundschaft.


Als Jelusich Mitarbeiter der satirischen Wochenzeitschrift Die Muskete wurde, empfahl er seinen Freund Gerstenbrand der Redaktion, die dann auch Zeichnungen von Gerstenbrand bestellten und von da an avancierte er zu einem der beliebtesten Karikaturisten dieser Zeitschrift.

Mirko Jelusich verfasste Gerstenbrand später u.a. „Geschichten um das Wiener Künstlerhaus“, „Geschichten rund um den Heurigen“, „Geschichten von Soldaten, Künstler Leut‘ und Herrschaften“, „Weinschenker und Weinbeschenkte“, „Geschichten rund um den Heurigen“


Ab 1923 hielt er sich während der Sommermonate gerne in St. Gilgen auf. In dieser Zeit entstanden Zeichnungen mit den Themen Salzburg, St. Gilgen und Salzkammergut. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts unternahm er auch viele Reisen nach Italien, Frankreich, Ägypten und in die USA. Als sich die Künstlerkolonie um Ferdinand Kitt in Zinkenbach (heute Abersee) am Wolfgangsee bildete, war auch Gerstenbrand immer wieder als Malerkollege dort. Im Unterschied zu den Malern der Künstlerkolonie, welche sich hauptsächlich der Landschaftsmalerei widmeten, zeigen Gerstenbrands Bilder jedoch mehr den Mensch in all seinen Facetten.


Nach dem „Anschluss Österreichs an Deutschland“ 1938 erhielten viele Künstler Malverbot und mussten mit Repressionen rechnen. Gerstenbrand hatte das Glück, unter jenen Künstlern zu sein, die dem Regime keinen Anlass zur Ausgrenzung boten. Sein Stil entsprach traditionellen Vorstellungen. (Alfred Gerstenbrand, Künstlerleben eines Jahrhunderts, S 147)


Im zweiten Weltkrieg wurde Alfred Gerstenbrand als Kriegszeichner eingesetzt. Seine Eindrücke verarbeitete er in einer Reihe von Werken, welche 1941 bei der Kunstausstellung „Zwischen Westwall und Maginot-Linie”, im Saarlandmuseum ausgestellt wurden.

Helmut Schipani berichtet, dass Alfred Gerstenbrand, obwohl er unter Druck gesetzt wurde, nicht der NSDAP beitrat und nach dem Krieg Mitglied der österreichischen Widerstandgruppe der Region Salzburg war.

Trotz der Kriege und der Kriegswirren in den Zeiten danach und dazwischen war die Zeit zwischen 1920 und 1950 die bedeutendste Schaffensperiode Alfred Gerstenbrands und viele seiner Bilder aus dieser Zeit sind heute in zahlreichen Museen im In- und Ausland zu finden.



Alfred Gerstenbrand war Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, im Künstlerhauses, der Vereinigung bildender Künstler der Wiener Secession, wo er von 1934 bis 1937 Ausstellungsleiter war und in der Zinkenbacher Malerkolonie.


Auszeichnungen und Ehrungen:

1934 Medaille der Stadt Budapest

1935 den Professortitel durch den Bundespräsidenten, bronzene Verdienstmedaille der Stadt Budapest

1938 Preis der Stadt Wien

1941 Graphikpreis der Reichskunstkammer

1944 Baldur-von-Schirach-Preis

1951 goldener Lorbeer des Wiener Künstlerhauses

1955 Ehrenpreis der Stadt Wien

1968 große goldene Ehrenmedaille des Wiener Künstlerhauses

 

Alfred Gerstenbrand starb am 7. Jänner 1977 in Melk und wurde auf dem Friedhof St. Gilgen beigesetzt.


Berthild Zierl

Präsientin der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Landesverband Wien, NÖ, Bgld.

www.zierlart.at


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Quellen:

Archiv der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs

 

Alfred Gerstenbrand – Künstlerleben eines Jahrhunderts von Ruth Kaltenegger, Helmut Schipani,  Hrsg. von. Dr. Franz Gerstenbrand, Christian Brandstätter Verlag
Helmut Schipani, zusammengefasste Biografie vom Oktober 2013
Österreichische Mediathek,www.mediathek.at/atom/017833A9-283-01ED7-00000BEC-01772EE2
Geschichten rund um den Heurigen, Buchgemeinschaft Donauland
Geschichten um das Wiener Künstlerhaus, Deutsche Buch-Gemeinschaft